B. Oldag von Schwerin (1256—91) und seine Descendenz.
4. Die (ältere) Linie Altwigshagen mit der Linie Aurose-Demnitz (Taf V).
Oldag von Schwerin, der zweite der Söhne Daniels, welche aus Meklenburg in Pommern einwanderten,und hier zum ersten Male 1256 urkundlich genannt, liess sich anfanglich, wie seine Brüder Gerhard undWerner, auf der Insel Usedom nieder, ward Vogt von Usedom und erwarb mit Werner zusammen dieDörfer Labörnitz und Retzow. Doch schon um 1258 verkauften die Brüder diese Besitzungen an das KlosterGrobe, vermuthlich weil um diese Zeit Oldag zum Vogt von Anclam ernannt worden war, und gingen nachAnclam hinüber, von wo aus früher oder später Oldag das nach ihm benannte Dorf Oldageshagen oder Alt-wigshagen gründete, Werner dagegen das Schloss Spantekow erbaute oder erwarb. Von jenem Dorfe Alt-wigshagen trägt die von Oldag von Schwerin gestiftete Altwigshagen'sche Linie ihren Namen. Sie heisstdie ältere Linie Altwigshagen im Gegensatz zu der jüngeren 1 *, welche durch Otto von Schwerin von derLinie der Bönen nach Ankauf von Altwigshagen im Jahre 1627 begründet ward und mit dem Stammsitzauch den Linien-Namen übernahm. Aber entweder hat Oldag ausser Labörnitz und Retzow noch anderesBesitzthum auf Usedom gehabt, oder sein jüngster Sohn Oldag oder dessen Nachkommen haben solches er-worben; wenigstens blieb dieser jüngere Oldag (No. 4) gleich bei der Uebersiedelung seines Vaters nachAnclam auf Usedom oder ging von Anclam aus dorthin wieder zurück und erscheint hier (zuerst 1315) alsStifter eines besonderen, nicht zur ursprünglichen Usedom'schen Linie gehörenden Usedom'sehen Zweiges derAltwigshagener Linie, welcher Eigenthum in Cachlin, Dargen, Lutebuk und Görke hatte, aber schon mitHans von Schwerin (No 33), dem Urenkel der Stifters des Zweiges, nach einhundertjährigem Bestehenendete. Die zu Ungunsten des Hans von Schwerin ausgeschlagenen, schon 16 Jahre währenden Streitig-keiten desselben mit dem Kloster Pudagla um die genannten Usedom'schen Besitzungen bestimmten ihnim Jahre 1416, die Insel zu verlassen und die Besitzungen dem Kloster zu verkaufen; er wandte sich nachdem Stammsitz seiner Linie, Altwigshagen, und starb hier kinderlos als der Letzte dieses Usedom'schenZweiges. Nur 4 Generationen und 8 dem Namen nach bekannt gewordene Mitglieder des Geschlechts habendemselben angehört.
Eine weitere Abzweigung yon der älteren Altwigshagen'schen Linie erfolgte nach 200 Jahren in dersiebenten Generation durch die Linie Aurose-Demnitz, so genannt nach den Besitzungen dieses Namens,welche ihrem Stifter Werner von Schwerin (No. 50) um 1468 gehörten. Während die Hauptlinie in ihrenübrigen Mitgliedern schon mit der zwölften Generation im 17. Jahrhundert ausstarb, besteht diese Nebenlinienoch heute, zwar nicht mehr unter ihrem ursprünglichen Namen, sondern unter den Namen der (getheilten)Linien Curtshagen und Stegeborg.
5. Die Linien Curtshagen und Stegeborg (vormals Aurose) (Taf. VI A und B).
Nachdem auch die Linie Aurose-Demnitz in ihrer siebenten Generation um die Mitte des 17. Jahr-hunderts bis auf zwei Augen ausgestorben war, fand sie neuen Fortgang und Aufschwung durch den da-mals Letzten der Linie, den Schwedischen Hauptmann Werner Dettlof von Schwerin auf Aurose (Taf. V.97 und VI. 1). Von seinen beiden Söhnen, unter welche er schon bei seinen Lebzeiten im Jahre 1721 dieGüter Aurose, Demnitz, Ducherow und Busow vertheilte, erwarb der ältere, Cur d Christoph (Taf VIA. 4),wie es scheint, später auch noch die Antheile seines jüngeren Bruders Werner Dettlof (Taf VI B. 1) anAurose und Demnitz und führte somit allein die Linie Aurose weiter, welche sich heute indessen Linie Curts-hagen nennt nach dem durch Carl August Curd von Schwerin (Taf. VI A. 21) im Jahre 1820 erkauftenGute Curtshagen bei Anclam, während Werner Dettlof auch noch seine Antheile an Ducherow undBusow veräusserte, dagegen die Güter Sörsa und Stegeborg in der Schwedischen Provinz Ostgothland er-warb und hierdurch Stifter der nach diesem letzteren Besitz genannten Linie Stegeborg 2 'wurde. Ihr ge-hörte jener Werner Dettlof (Taf. VI B. 3) an, welcher zum Kammerherrn der Königin Wittwe vonSchweden Luise Ulrike, Schwester Friedrichs des Grossen, ernannt und am 25. April 1776 in den Schwe-dischen Grafenstand erhoben wurde.
Beide Linien stehen seit der Zeit ihrer Trennung um 1720, von ihren speciellen Stammvätern CurdChristoph und Werner Dettlof (dem Jüngeren) aus gerechnet, gegenwärtig in der fünften Generation; aus der
1) Vgl. S. 13 No. 16. — 2) Stegeborg selbst ist indessen in der Mitte dieses Jahrhunderts durch Verkauf wieder in fremde
Hände übergegangen. Vgl. Th. II S. 115 No 21.