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1 (1878) Allgemeine Geschichte des Geschlechts von Schwerin
Entstehung
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Der Vater der Pommerschen Schwerine ist deshalb ausserhalb Pommerns zu suchen und nothwendig (davon dem Ersten des Lüneburgischen Geschlechts von Schwerin Werner die Söhne feststehen)" bei der alleinübrig bleibenden Familie von Schwerin in Meklenburg. Innerhalb dieser aber werden wir am natürlichsten aufDaniel (Taf. I. 4) geführt. Nicht nur, dass dieser der Zeit nach, da er urkundlich seit c. 1230 erscheint,sehr wohl als Vater jener seit 1251 in Pommern auftretenden Brüder von Schwerin angesehen werden kann,sondern bei ihm allein auch wissen wir von keiner sonstigen Nachkommenschaft, während bei seinem BruderHeinrich die Söhne sich mit ziemlicher Bestimmtheit haben feststellen lassen (vgl. Th. II S. 2 und 3).Auch dürfte es nicht ganz bedeutungslos sein, dass wie Daniel 1244, so auch Gerhard gleich bei seinemersten Auftreten 1251 als Zeuge in einer Urkunde für Lübeck erscheint. Ferner kommt der dem zweitender Brüder und weiterhin dann der Pommerschen Generation des Geschlechts überhaupt eigenthümlicheVornamen Ol dag in Betracht. Derselbe ist so selten, dass wir ihn ausser bei den Schwerinen nur noch beiden Lepels beobachtet haben, auf welche er überdies nur von jenen durch Heirath übergegangen ist. Nunlebte zugleich mit dem ersten und zweiten Bernhard von Schwerin in Meklenburg 1217 ein Schweriner Va-sall Wulfericus de Oldagesdorp. 2 » Der Ort Oldagsdorf hat seinen Namen zweifellos von einem Oldag er-halten, wie Oldageshagen bei Anclam von Oldag von Schwerin, und da Wulferich nach diesem Orte sich be-nennt, also Besitzer desselben war, so können wir Oldag, den Begründer des Ortes, wohl als WulferichsVater ansehen (älter dürfen wir denselben nicht rechnen, da die Gründling- deutscher Orte, erst um dieseZeit in Meklenb urg begann); dann aber hat es nichts Unwahrscheinliches mehr, dass der zweite Bernhardvon Schwerin, Daniels Vater, aus irgend welcher verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Beziehung zujenem Oldag diesen Vornamen auf einen seiner Enkel übertrug. Endlich fallen die Worte ins Gewicht, mitwelchen die Meklenburgischen Herzoge Heinrich und Albrecht im Anfange des 16. Jahrhunderts ihren Vogtzu Schwerin Joachim Koss mit den ihnen heimgefallenen Gütern des in Meklenburg ausgestorbenen Ge-schlechts von Schwerin belehnen; in der bezüglichen, zwischen 1511 und 1514 ausgestellten Urkunde 3 * be-zeichnen sie diese Güter als solche, welche an uns durch tödtlichen Abgang des Letzten in unseremLande von desselben (nämlich Schwerin'schen) Geschlechte gefallen sind. Der Zusatz in unserem Landeist bedeutungsvoll, denn er will sagen, dass das Geschlecht von Schwerin zwar in Meklenburg ausgestorbensei, nicht aber in dem benachbarten Pommern; diese Beziehung aber würde schwerlich angedeutet wordensein, wenn man nicht gemeint hätte, dass die Meklenburgischen und Pommerschen Schwerine eines Stammesseien; hat aber diese Stammesverwandtschaft bestanden, so kann sie zwischen den als die ersten Schwerinein Pommern auftretenden Brüdern Gerhard, Oldag und Werner und den damals in Meklenburg lebendenSchwerinen nach dem Vorhergesagten nur durch Daniel von Schwerin als Vater jener Brüder vermitteltworden sein.

Hiernach müssen wir, so lange nicht bessere Beweise für eine anderweitige Abstammung der BrüderGerhard, Oldag und Werner von Schwerin beigebracht werden, an der Annahme festhalten, dassdiese die Söhne Daniels von Schwerin gewesen sind und dass durch sie das ursprünglich Meklen-burgische Geschlecht von Schwerin um die Mitte des 13. Jahrhunderts seine Ausbreitung auch nach Pom-mern gefunden hat.

Dass die drei Brüder Gerhard, Oldag und Werner von Schwerin überhaupt die Heimath verliessen undneue Wohnsitze in Pommern suchten, darf nicht Wunder nehmen, der Auswanderungsdrang war im An-fange des 13. Jahrhunderts ziemlich verbreitet, und grade aus den Vasallenfamilien der Burgmannschaftin Schwerin und der Meklenburgischen Fürsten nahmen viele ihren Weg ebenfalls nach Pommern, so Glie-der der Familien von Exen, Badelaken, Plote, Below, Schönfeld, Brusewitz, Lepel u. a. m.

A. Gerhard von Schwerin (125162) und seine Descendenz.

1. Die Usedom'sche Linie (Taf. II).

Gerhard von Schwerin (No. 2) nahm und behielt nach der Erwerbung von Cachlin seinen Aufenthalta uf der Insel Usedom und begründete hier die älteste Stammlinie des Geschlechts in Pommern, die Use-dom'sche Linie; dieselbe bestand in ihrem Hauptzweige zwar nur durch 9 Generationen und 33 Mitglieder 4 »

1) Vgl. S. 5. 2) U. B. I. 2. 3) U. B. 1. 126. 4) Wir rechnen überall den Begründer der Linie als erste Gene-

ration und meinen selbstverständlich ebenso überall bei der Angabe der Mitgliederzahl der einzelnen Linien nur, dass uns wei-

tere Mitglieder, als die angegebenen, nicht bekannt geworden sind.