Druckschrift 
1 (1878) Allgemeine Geschichte des Geschlechts von Schwerin
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

dem Bisthum und der Grafschaft Schwerin den Namen lieh. Nur zwischen dieser Stadt und dem Geschlechtvon Schwerin ist ein Zusammenhang urkundlich nachweisbar, dies genügt aber auch vollständig zur Er-klärung des Namens. Derselbe Bernhard (Taf. I 1), welcher im Jahre 1178 Bernardus dictus adcocatus inZverin genannt wird, 1 ' heisst 1217 bereits Bemhardus de Zver die hervorragende Stellung eines Vogts,welche jener Bernhard in der Veste Schwerin bekleidete, in Verbindung mit dem Umstände, dass er da-durch von selbst eine allgemein bekannte, wo nicht berühmte Persönlichkeit wurde, führte dahin, dass man ihn anfangs vielleicht vorzugsweise zur Unterscheidung von anderen namhaften Männern gleichen Vornamenskurzweg den Bernhard von Schwerin nannte, dass so auf die natürlichste Weise diese unterscheidendeBezeichnung in jener Zeit, zu welcher überhaupt erst Familiennamen sich zu bilden begannen, für ihn Eigen-name wurde und als solcher auf Sohn und spätere Nachkommen sich weiter vererbte.

Dieser Familienname von Schwerin hat denn auch hinsichtlich seiner Schreibweise in den Urkundendes Mittelalters dieselben und vielleicht noch mehr Wandelungen erfahren, wie jener Ortsname Schwerin.Selbstverständlich können zur Feststellung der verschiedenen Formen nur Original-Urkunden, Original-Acten,Original-Concepte und mit den Original-Ausfertigungen annähernd gleichzeitig entstandene Abschriftenin Betracht kommen; denn Abschreiber späterer Jahrhunderte haben sich in der Kegel der zu ihrer Zeitüblichen Schreibweise der Namen bedient.

Auf Grund nun der uns bekannt gewordenen authentischen Archivalien der gedachten Art erscheintder Name der heutigen Familie von Schwerin in nicht weniger als 28 verschiedenen Formen; dieselbenlauten alphabetisch geordnet:

Cwerin, Czwerin, Czweryn,

Scwerin, Stzweryn, Sverin, Sveryn (die beiden letzteren meist Suerin und Sueryn geschrieben),

Sweren, Swerin, Swerrin, Sweryn, Swerynn, Szewerin, Szverin, Szwerin, Szweryn,

Tzwerin, Tzweryn,

Zsverin, Zverin, Zveryn (die beiden letzteren meist Zuerin und Zueryn geschrieben), Zwaerin,

Zwarin, Zwerin, Zweryn, und zuletztSchwerin, Schwerinn und Schweryn.

Die bei Weitem gangbarsten Formen bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts waren jedoch Swerin,Sweryn, Zwerin und Zweryn. Die heutige Schreibweise des Namens erscheint urkundlich zum erstenMale erst nach 350 jähriger Existenz desselben im Jahre 1527, also in der um 1513 ausgestorbenenMeklenburgischen Linie überhaupt nicht; dagegen finden wir actenmässig (doch wiederum nur in Pom-mern) eineSchwerinsk" als Verwandte des Hennicke von Golme schon 1491 genannt (U. B. II. 396).Nach 1527 lautet dann der Name in einer Urkunde von 1535 noch einmal Schweryn, in einer Urkundevon 1543 Zwerin und in einem Original - Concept von 1572 Swerin, im Uebrigen heisst er seit 1527 bisauf den heutigen Tag d. h. ebenfalls nun 350 Jahre hindurch Schwerin; es darf wohl des eigenthümlichenZufalls hierbei gedacht werden, dass in dem Jahre, in welchem wir jetzt stehen (1878), die Familievon Schwerin grade 700 Jahre bekannt ist und dass die heutige Schreibweise ihres Namens genau erst mitder zweiten Hälfte dieses Zeitraums beginnt.

Der Ort Schwerin war zur Zeit, von der wir ausgingen, eine neue Burg, der Edle Gunzelin von Hagenhatte sie an Stelle der zerstörten alten wendischen Burg Schwerin, welche ihm von Heinrich dem Löwen nachder Unterwerfung Meklenburgs im Jahre 1161 zu Lehn gegeben war, nach deutscher Weise erbaut. 1166ward Gunzelin zum Grafen von Schwerin erhoben und die Stadt Schwerin gegründet. Bei der Wichtigkeitder Stellung Bernhards als (vielleicht erster) Burgvogt von Schwerin der unterworfenen eingeborenen Völker-schaft gegenüber und in der Erwägung, dass er von dem deutschen Grafen Gunzelin von Schwerin alssolcher eingesetzt ward, ist es fast als selbstverständlich anzusehen nicht nur, dass derselbe von Hauseaus edler Abkunft war, sondern auch, dass er zu der ältesten mit Gunzelin von Hagen in die neueBurg eingezogenen Burgmannschaft gehörte, d. h. dass er aus deutschem Blute entstammte und dasssomit das Geschlecht von Schwerin, soweit es jenen Bernhard zum Stammvater hat, für deutschen Ur-sprungs zu halten ist.

1) ü. B. I. 1. 2) ü. B. I. 2 und 3.