Während es für die früheren Jahrhunderte besonders darauf ankam, die Existenz überhaupt und dannden verwandtschaftlichen Zusammenhang der einzelnen Personen festzustellen, galt es für die neuere Zeit,in welcher die Art der Zugehörigkeit zu der Familie in selteneren Fällen zu Zweifeln Veranlassung gab, die fin-den Lebensgang der Einzelnen bezeichnendsten und bedeutendsten Momente mit grossester (wo möglich urkund-licher) Genauigkeit hervorzuheben 1 '. Auch war es bei den vielfach gleichnamigen und oft gleichzeitig untersehr ähnlichen Verhältnissen lebenden Gliedern des Geschlechts nothwendig, dieselben kenntlich von einanderzu unterscheiden. Es ist auf diese Weise für die Lebensgeschichte jedes Einzelnen ein fester Grund gelegtworden, von welchem aus derjenige, welcher sich für die eine oder andere Persönlichkeit besonders interessirensollte, ohne Schwierigkeit weiter zu bauen vermag. Durchweg volle Biographieen zu schreiben, lag nicht inder Absicht; bei der Menge der Personen und der Fülle des Stoffes für die hervorragenderen unter ihnenwürden sonst weder den Mitteln noch dem Raum und der Zeit bestimmte Grenzen haben gezogen werdenkönnen, und hätten gar den allerbedeutendsten Gliedern des Geschlechts — wir denken hierbei namentlich anden Oberpräsidenten Otto (Taf. XVII. 1) und an den Feldmarschall Curd Christoph von Schwerin (Taf. X. 32) —volle, erschöpfende Biographieen gegeben werden sollen, dann wären wir genöthigt gewesen, Bücher imBuche zu schreiben.
Wo es angemessen schien, ist neben dem Thatsächlichen auch das Characteristische kurz berührtworden; aber selbst bei den bedeutenderen Mitgliedern des Geschlechts haben wir unter Vermeidung einernur allgemeinen, leicht zu Phrasen verleitenden Characterschilderung auf solche besonders treffend er-scheinende Urtheile (und zwar stets nur über bereits Verstorbene) uns beschränkt, welche von vorurtheils-freien Kritikern ausgesprochen, in gedruckten Werken, in Briefen oder Manuscripten niedergelegt sind, undist bei diesen Urtlieilen jederzeit die Quelle angegeben worden.
Die häufig wechselnde Schreibweise der Vornamen (wie Dettlof und Detlev, Gustav und Gustaf, Bogis-law, Bogislav, Bogislaus und Boguslav u. a. m.) darf nicht auffallen; sie ist aus der Bücksicht entstanden,die Vornamen ebenso zu schreiben, wie die betr. Familienglieder selbst sie geschrieben haben. Ueberallfreilich ist dies nicht durchzuführen gewesen; in der älteren Zeit waren häufig die eigenen Träger der Vor-namen in dieser Beziehung nicht consequent, aus neuerer Zeit aber standen uns bezügliche Unterschriftennicht überall zur Verfügung.
Noch bemerken wir, dass zu möglichst genauer Bezeichnung der einzelnen Familienglieder und zuleichterer Auffindung ihres verwandtschaftlichen Zusammenhangs den Namen derselben in Parenthese auchnoch ihre Stelle in den Stammtafeln beigefügt ist.
Soweit es thunlich war, sind die biographischen Nachrichten vor ihrer Drucklegung den gegenwärtigenHäuptern der entsprechenden einzelnen Familienzweige zur Durchsicht bezw. zur Berichtigung und Ergänzungvorzugsweise der Mittheilungen aus dem laufenden'Jahrhundert vorgelegt worden.
Zu diesem zweiten Theile schien uns zunächst die Beigabe einer Uebersichts-Stammtafel, durchwelche lediglich die Abstammung der einzelnen Linien als solcher von dem Gesammt-Stammvater veranschau-licht würde, unerlässlich. Ausserdem sind diesem Theil 22 Special-Stammtafeln und 20Portraits auf16 Blättern beigegeben worden. Für die Beifügung der ersten 14 auf einzelnen Blättern enthaltenen Portraitsist die Bedeutung der betr. Personen, sei es im Staats- oder Privatleben, bestimmend gewesen, für die Bei-fügung des 15. Blattes die wehmuthsvolle Erinnerung an fünf junge Söhne des Geschlechts, welche währendder Herstellung dieses Werkes in den Kriegen von 1866 und 1870/71 unter den Preussischen Fahnen gefallensind, für die Beifügung des 16. Blattes die gleiche Erinnerung an den jungen Capitain-Lieutenant Grafenvon Schwerin, welcher am 31. Mai d. J. beim Untergange des Panzerschiffes „Grosser Kurfürst" denTod in den Wellen fand.
1) Als Quellen der Biographieen haben ausser den urkundlichen und gedruckten Nachrichten uns gedient: Kirchenbücher(namentlich die zu Aurose, Badresch, Boldekow, Demnitz, Ducherow, Iven, Schwerinsburg, Spantekow, Wildenhoff, Wolfshagenund die der Dom- und Parochial-Kirche zu Berlin), Ahnentafeln, mit Chroniken versehene Familien-Bibeln, Hausbücher, alteStammbücher und Familienbriefe in grosser Anzahl.