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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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Deutsche- Werkbuncl-Ausstellung 1914.

Köln-Deutz.

Theaterbau (leider abgebrochen).

Architekt Henry van de Velde.

lichkeit" (Bild S. 188).Die Linie ist eine Kraft", war sein Wort. Hier in Kölnsah der Meister derexpressiven Kraftlinie" die Ideen seiner Jugendstilzeit ver-wirklicht (s. S. 5,6,11). Die Mittel gaben ihm die neuen Eisenbetonkonstruktionsmög-lichkeiten. Van de Veldes Theater ist in Kurven und Schwingungen organischbewegte, funktionelle, man könnte sagen plastisch modellierte Architektur von aus-drucksvollem Eigenleben. Von ihr strahlte größter Einfluß aus auf die jüngereArchitektenschaft. Dieser Einfluß zeigte sich aber mehr in Berlin und im Osten,als bei uns am Rhein. Das ist an sich recht charakteristisch. Ein Land, kultur-geschichtlich westlich orientiert, baukünstlerisch und baugeschichtlich in so vielemeng verwandt mit Holland, Belgien und Frankreich, belastet von alter Kultur undaltem, wohlhabendem Bürgertum und sich freuend an der Wiederentdeckung derkünstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb des Zwanges altheimischer Back-steinbaukunst, gibt sich nicht so leicht allen neuen Erscheinungen hin wie das jün-gere und traditionsärmere Berlin, das aufnahmebereit für alle neuen Theorien vonKonstruktivismus, Funktionalismus, Dynamismus, Schneckenhausarchitektur,Anthropomorphismus, und wie alle diese neuen Schlagworte heißen mögen. Indem Revolutionären dieser Äußerungen ist viel verwandtes mit den Ideen russi-scher Architekten, den Peri, Lapschin, Lissitzki, Ladowski, Exter u. a. Das ist,im Gegensatz zu den Rheinlanden, etwas Wesentliches: Berlin ist ein Sammel-punkt des Ostens, ist auch in gewissem Sinne östlich orientiert und östlich auf-nahmebereit. Das soll aber weniger ein Werturteil sein, als daß es unterscheidendeWesenszüge der neuen Baukunst in Berlin und am Rhein hervorhebt, die darlegen,warum die Rheinlande und das Industrieland in ihrer sachlicheren Einstellungund geschichtlichen Belastung nicht in dem Maße wie Berlin Anregungsausgangblendender neuer Kunsttheorien sein können. Auch der neue Wohnbau am Rheinzeigt viel wenigerDynamismus" als der Osten.