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sitzt als Beton und Stein, so darf statisch eine Eisenbetonstütze sich mit ganz ge-ringem Querschnitt begnügen. Die Folge: große Spannungen bei geringen undschmalen Stützen und geringem Materialaufwand. Wichtig ist natürlich, daß Betonund Eisen durch bestimmte physikalische Eigenschaften zu einer konstruktivenund statischen Einheit verwachsen. Durch die Art der zu berechnenden Eisen-einlagen sind die überraschendsten Dinge heute möglich geworden. Eine der cha-rakteristischsten Bauformen des Eisenbetonbaus sind die weit ausladenden, freischwebenden, stützenlosen Platten. Wir sahen sie bei Behrens' Bürohaus in Ober-hausen (Bild S. 113). Bei dem benachbarten Lagerhaus wies ich bereits auf die inter-essante Eisenbetonkonstruktion hin (Bild S. 112). Cremers beschreibt sie in seinemBehrensbuch:,, In bergbaulicher Bodensituation gelegen, mußte dieses Riesenhaus aufeiner 90 cm starken, durchgehenden Betonplatte errichtet werden. Auf dem in Eisen-beton nach Art eines Schiffskörpers gefügten Kellergeschoß ruht in halbstarremSystem die Eisenkonstruktion des ganzen Gebäudes". Wie nun der Römer seineBetonbauten mit Marmor oder edlen Steinarten bekleidete, so wir unsere Eisen-betonkonstruktionen mit Backstein oder Steinplatten, die gewaltigen SpeicherFendel und Lehnkering am Duisburger Hafen und die hier behandelten Bauten derBehrens, Fahrenkamp, Fischer, Körner, Kreis usw. Aber daneben hat der reineIndustriebau sich auch nach außen unverhüllt zum Eisenbetonbau bekannt undBauten geschaffen, die in ihrer Zweckmäßigkeit und Gliederung der großen Flächenvon einer Monumentalität erfüllt sind gleich den mittelalterlichen Hohenstaufen-burgen in Süditalien. Auf der Kruppschen Zeche Hannibal stehen nebeneinanderWilhelm Kreis' Kohlenturm und Robert Schmohls Kohlenwäsche (BildS. 180b). Eindrucksvoll gewaltige Denkmäler! Und zwingend ist der aus Kon-struktion und Sachlichkeit entwickelte Rhythmus der vertikalen Rippen der Koks-kohlenbunker der Kruppschen Friedrich-Alfreds-Hütte in Rheinhausen (BildS. 185 b, 187). „Plattenbalken" nennt man die Rippen, die mit der Wandplatte sta-tisch zusammenwirken. Auf der Kruppschen Zeche Hannover hat Hans LudwigScharschrnidt aus wirtschaftlichen Gründen diese Rippen innen konstruktiv miteinem Rahmenwerk verbunden, das zur Aufteilung und Aussteifung des Turm-inneren nötig ist (Bild S. 184). Die Rippen sind mit den Trennwänden und Verstei-fungsrahmen des Turminnern verschmolzen. Grundsätzlich ein anderes statischesSystem, das den Baumeister, im Gegensatz zum Kreisschen Kohlenturm auf ZecheHannibal und Alfred Fischers Bau auf Zeche Sachsen (Bild S. 183), um den Reizder vertikalen Außengliederung bringt und ihm die künstlerische Wirkung er-schwert. Jetzt kommt es auf die große Flächenkomposition und den rassigenUmriß an. Der Bau hat im Grunde an monumentaler Steigerung gewonnen.Eine neue Zechenanlage — Alfred Fischer und Karl Wach haben sich da besondersausgezeichnet — ist eine künstlerische Sehenswürdigkeit geworden. Zwischenden prachtvollen Turmbauten ein Schweben von Laufgängen durch die Luft,als wäre alle Schwerkraft der Erde überwunden. Wir leben im Zeitalter des Flug-zeuges. Wie wir uns daran gewöhnen werden, unbeängstigt den Erdboden zuverlassen und frei durch die Luft zu schweben, so werden wir uns auch an die neueKonstruktionssicherheit der Baukunst gewöhnen. Das ist nicht mehr erdenschwere