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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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S. 58 b, 61 b, 66). Aber man ging von beiden Bautypen doch ab, da Eichenholz zukostspielig war und Tannenholz an den Wetterstellen leicht reißt. Man kam zumPutzbau. Aber schließlich fand man auch hier, daß bei den durch die Industrie soganz veränderten klimatischen Verhätnissen der helle Putzbau auch nicht das ge-eignete war, weil bald eine dichter werdende Schmutzkruste sich in die Fassadeeinfraß. Man erkannte, daß von den alten Bauweisen eigentlich nur der Back-steinbau die Patina der Industrie vertragen kann.

Die Überlieferung des Backsteinbaues war am Niederrhein durch den Klassi-zismus unterbunden worden. Aus der irrigen Vorstellung von der farblosen Bau-kunst und Plastik der Antike verdeckte man den alten Backsteinbau unter einerZementtünche (Bild S. 9), die man oft zur größten Überraschung über das jahr-zehntelang verschämt Verborgene in den letzten Jahren hier und da wieder beseitigthat 1 . Im übrigen verwandte man den Backstein als minderwertiges Material nurnoch für Fabrikbauten oder Arbeiterkasernen (Bild S. 110, 111). Man hat dann wohlin der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder monumentale Backsteinbautenausgeführt, auch Beispiele von persönlicher Gestaltung, wie das Rathaus zu Essenvon Paul Zindel vom Jahre 1878 2 . Das Bauwerk hat aber ebenso wenig mit alt-heimischer niederrheinischer Bauweise zu tun, wie die anderen monumentalenBacksteinbauten, Julius Raschdorffs Ständehaus zu Düsseldorf, Staatsbauten,wie die Eisenbahndirektion und die Post in Essen, oder das Kohlensyndikat dort.Von Raschdorffs Ständehaus abgesehen, handelt es sich um einen Kunstimportder Technischen Hochschule zu Hannover. Hier lehrte von 1849 bis 1894 KonradWilhelm Hase neue Backsteingotik: der moderne Backsteinbau wurde mit ge-schichtlich gotischen Formen behangen. Den Formenschatz gab der alte märkischeBacksteinbau mit seinen malerisch wirkenden, eigens angefertigten Form- undGlasursteinen. Aber diese Backsteinbaukunst ist dem Niederrhein und Münster-lande fremd gewesen. Man hatte hier immer in erster Linie gesucht, künstlerischeWirkungen aus dem natürlichen Format des Baumaterials hervorzuzaubern, anstattden Backsteinbau lediglich als Füllmaterial zu behandeln und künstlerisch deko-rative Dinge bei einem anderen Material zu borgen. Bedauerlicherweise waren aberim 19. Jahrhundert an Stelle des alten Klinkers der knallrote Ringofenziegel undder ebenso grelle gelbe Verblendstein getreten; an sich als Baumaterial nicht abzu-lehnen, aberes kann nicht geleugnet werden, daß dieses Material in der Hand unge-schickter und barbarischer Maurermeister viel schädlicher wirkt und wirken kannals der einfache Putzbau" (Clemen).

Die Wiederbelebung des heimischen Backsteinbaues ist das Verdienst der rheini-schen Heimatschutzbewegung. 1910 verfaßte der damalige Provinzialkonservatorder Rheinprovinz, Paul Clemen, seine DenkschriftZur Erhaltung und Wieder-belebung niederrheinischen Backsteinbaues" für die Staatsregierung und die rhei-nische Provinzialverwaltung 3 :Keine Gruppe, die scheinbar so isoliert stünde wie

1 Richard Klapheck,Farbige Baukunst und Wiederherstellung alter Bauwerke" i. d.Zeitschrift d. Rhein. Vereins f. Denkmalpflege usw., XVII, I, S. 69 ff.

2 Abgebildet i. d. Zeitschrift d. Rhein. Vereins f. Denkmalpflege usw., XXI, I, S. 100.

3 Abgedruckt i. d. Zeitschrift d. Rhein. Vereins f. Denkmalpflege usw., VI, III, S. 159 ff.