706 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Die Verhältnisse Dänemarks, Skandinaviens und Kurlands werden zum Teilausführlich berührt, und den Wert einer solchen Quelle wußte nach Jahr-hunderten Adam von Bremen wohl zu schätzen, indem er ihr manche seinerNachrichten 1 ) entlehnt, wie er das auch mit dem Leben Willehads undRimberts getan hat. Selbstverständlich hatte Rimbert als treuer BegleiterAnskars 2 ) Gelegenheit gehabt, sich genau über dessen Schicksale zu unter-richten, doch zog er bei der Abfassung der Biographie noch einen andernSchüler Anskars zu Rate, dessen Namen er ebensowenig überliefert, wieer die Tatsache selbst verschweigt; vielleicht ist das Witmar gewesen, dermit Anskar zusammen eine Zeitlang die Schule in Corbie leitete und seinBegleiter auf der ersten Reise nach Schweden wurde und ihn überlebte.So wird Anskar häufig redend eingeführt und Rimberts Bericht beginntdenn auch mit Anskars eigner Erzählung über ein Ereignis aus seinerSchulzeit. Rimbert erzählt weiter von Anskar als Lehrer in Corbie, vonseiner Übersiedelung nach Korvei und der dortigen Fortsetzung des Lehrer-amtes und zeigt sich dann auf das genaueste über die Verhältnisse undStimmungen unterrichtet, die mit seiner ersten Reise nach dem Nordenzusammenhängen. Er erzählt, daß Anskar fast vierzig Bücher nach Schwedenmitgenommen habe, die ihm aber von Piraten unterwegs geraubt wurden.Besonders ausführlich wird dann Anskars Weihe zum Erzbischof, seineRomreise und die päpstliche Bestätigung berichtet und der Brand und diePlünderung Hamburgs von 845 erzählt, wobei eine kostbare von Ludwigdem Frommen geschenkte Bibel und viele andere Bücher untergingen. Esfolgen dann Bruchstücke aus der ältesten Geschichte Schwedens, Verhand-lungen mit Papst Nicolaus u. a. Die letzten Teile der Darstellung beschäf-tigen sich besonders mit dem wissenschaftlichen und geistlichen LebenAnskars. Hier gedenkt Rimbert der großen Bücher, die der Erzbischof miteigner Hand schrieb, sowie der Pigmenta, d. h. der von ihm verfaßtenGebete zu den Psalmen, die sich erhalten haben. So ist das Werk inhalt-lich durch seine Ausführlichkeit und infolge der reichen und mannigfachenBerichterstattung unschätzbar, keine zweite Heiligenbiographie der gesamtenPeriode kommt ihm auch nur annähernd gleich. Der Stil ist einfach undungekünstelt, die Sprache verständlich und ohne irgendwelche aufdringlicheGelehrsamkeit; selten wird ein Bibelspruch, noch seltener eine Stelle ausden Vätern angeführt. 3 ) Rimbert widmete dieses Leben Anskars im Namender gesamten Hamburger Kirche den Mönchen von Corbie, zu denen Anskarja einst gehört hatte.
Zeugnisse und Ueberlieferung. Daß Anskar erst in Corbie Mönch war, ergibtc. 6 p. 26 zusammengehalten mit den ersten Worten von c 3 p. 21 und der Widmung p. 18;die Widmung wendet sich an die Brüder von Corbie, wie auch aus dem Vergleich der Stellenhervorgeht, und nicht, wie Adam von Bremen 1, 36 (ed. Waitz p. 27) erzählt, an die vonKorvei. Daß das Werk von Rimbert verfaßt ist, ergibt sich aus dessen Vita c. 9 p. 87 li-bellus gestorum praefatl ponltficls ab ipso Rhnberto alioque condiscipulo eins eclitus und ausAdami Brem. Gesta Hammab. eccl. pont. 1, 36 p. 26 Rimbertus ... Qici etiam vitam s. patris
1 ) Die Benutzung der Vita Anskarii er- , 3 ) In c. 42 p. 77 zeigt sich Anlehnung an
streckt sich bei Adam von Buch 1,17—31, Sulpicius Severus ep. 3,10 (ed.Halm p. 148,9),die Vita Willehadi ist 1,14 benutzt, die Vita , dessen Vita Martini c. 35 p 66 als dem Ans-
Rimberti 1, 36—47.
2 ) Vgl. Vita Rimberti 9 p. 87.
kar bekannt angegeben wird; vgl. auch c. 41p.77.