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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

hat sich sein Dichtergeist entzündet. Es ist kaum noch anzunehmen, daßer ein größeres deutsches (alliterierendes) Gedicht vor sich gehabt undlateinisch übertragen habe; J ) Kögel glaubt an eine lateinische Prosaerzählung,während Strecker aus der merkwürdigen Variation des Ausdrucks (besondersfür Walther selbst) an germanischer Grundlage festhält. Jedenfalls hatEkkehart den lateinischen Waltharius, so wie er ist, entworfen und aus-geführt, ihm verdanken wir nach W. Meyer 2 ) in den Versen 170323 dieReiterschlacht nach ungarischem Modell, das Zwiegespräch, die Schilderungdes Gastmahls und das Wetttrinken. Während nun aber Strecker meint,daß der Dichter das oft verstümmelt oder gänzlich unterschlagen hat, wasihm seine Vorlage s ) bot, und daß er das durch römisches Gut ersetzt hatoder aber die römischen Züge frei zugefügt hat, 4 ) sowie daß er rücksichts-los willkürlich mit dem Stoffe umspringt und auf Kosten des Originalslateinisches Kolorit zu erreichen sucht, urteilt W. Meyer viel günstigerüber den Dichter. Nach ihm nämlich ist Ekkeharts Dichtung weder durchdie Nachahmung von Situationen noch durch die Verwendung von Aus-drücken aus Vergil oder Prudentius irgendwie romanisiert oder in ihremdichterischen oder ursprünglichen Wesen und Werte beeinträchtigt worden.Und es ist allerdings nicht zu leugnen, daß der Dichter in der Erwähnungvon Realien unselbständig ist, und Strecker ermahnt daher mit Recht zurVorsicht in der Verwertung solcher Züge aus der Dichtung. 5 ) Auf derandern Seite dürfte für Meyers Ansicht die geistreich vorgetragene Ver-mutung von G. Roethe sprechen, daß der Waltharius die Anregung zurlateinischen Nibelungias gegeben habe, nämlich zu dem lateinischen Gedicht,das Bischof Piligrim von Passau über die Not der Nibelungen durch seinenSchreiber, Meister Konrad, aufzeichnen ließ. 6 )

Im Eingange des Gedichts berichtet Ekkehart von den HeldentatenAttilas, wobei sich einige geschichtliche Züge mit der Volkssage vermischen.Attila gewinnt auf seinen Kriegszügen als Geiseln den fränkischen KnabenHagen, die burgundische Königstochter Hildegunde und den aquitanischenKönigssohn Walthari, die alle drei in das Hunnenland abgeführt werdenund dort geraume Zeit bleiben. Hagen gelingt es, zuerst zu entfliehen, undspäter, nach einem von Walthari glücklich beendeten Feldzuge gegen dieReichsfeinde, bereden Walthari und Hildegunde, die schon in früher Jugendverlobt waren, die Flucht. Walthari veranstaltet ein großes Gastmahl mitsich anschließendem Gelage und benutzt die Trunkenheit der Hunnen zumEntkommen. Ein Roß wird mit hunnischen Schätzen beladen, und der Heldund seine Verlobte benutzen nun die Nächte zur Flucht nach dem Westen,während sie sich tagsüber versteckt halten. Vierzig Tage dauert die Flucht

') Festgehalten von Roefche, ßerl. SB.1909, 656.

2 ) Ztschr. f. deutsch. Altert. 43,119 ff.

3 ) Durch Vergleich mit Beowulf 406 und1681 sucht S tr ecker (Ztschr.f.deutsch.Altert.42, 267270) zu erweisen, daß in Vs. 263 dasOriginal durch die lateinische Umkleidungnoch hindurchschimmere und (Ztschr.f.deutsch.Altert. 42,339 ff.), daß Vs. 490 ff. und 1231 f.

die im Original vorhandene Fassung bei-behalten sei.

4 ) Vgl. besonders Ztschr. f.deutsch.Altert.42, 343 ff. zu den Kämpfen am Wasgenstein.

5 ) Bemerkungen zum Waltharius (Progr.von Dortmund 1899) S.5f.Kriegsaltertümeraus der Dichtung stellt A. Althof, Waltbariipoesis 2,372416 zusammen.

6 ) Berl. SB. 1909, 657663.