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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

und Bischof s. Regino chron. 890 p. 136. Ueber Salomos wissenschaftliche Bestrebungen s.Regino') chron. 890 p. 136 vir non solum nobilitate verum etiam prudentiae ac sapientiaevirtutibus insignitus und Ekkehart IV. in Casus S. Galli 28 (p. 108) doctus et disciplinatissimusscribendi lirigua manuque artifex . . . metro primus et coram regibus plerumque pro ludicrocum alüs certator, vgl. hierzu die Noten Meyer v. Knonaus (St. Gall. Geschichtsquellen 3,109 N. 380 und 110 N. 385), wo die Glaubwürdigkeit Ekkehaits beschränkt wird, wozu auchDiimmler, Formelbuch S. 108 ff. zu vergleichen ist.

Formulae Salomonis. Diese wichtige Sammlung wurde vonDümmler 2 )als um 890 entstanden angesetzt, während Zeumer ihre Entstehung in die Zeitdes Aufenthalts von Salomo und Waldo bei Liutbert und Salomo II. ansetzt.Sie ist mit Geschick und planmäßig angelegt, indem die Urkunden (N.l—22)und Briefe (N. 23—48) gesondert sind und bei den ersteren die königlichenvorangehen, bei den Briefen die geistlichen Empfehlungsschreiben voran-gestellt sind. Der Wert der Sammlung besteht bei den Urkundenformeln 3 )darin, daß Anweisungen und Bemerkungen zuweilen eingestreut sind, dieals Vorläufer der ausführlichen Theorien oder der rhetorischen Einleitungenzu den späteren Dictamina oder Summae dictaminum zu gelten haben. Vielwichtiger sind die gesammelten Briefe, weil sie Originale und keine Er-dichtungen sind, und weil sie keine Einbuße erlitten haben, außer daßmeist der Name des Ausstellers und Empfängers getilgt ist. Bei weitemdie meisten Stücke beziehen sich auf ein Bistum (Konstanz), nur wenigeauf ein Kloster (St. Gallen), und aus diesem Grunde ist es wahrscheinlich,daß Notker der Sammlung später einige seiner Briefe einverleibt hat.Diese gehören zu den literarisch wichtigsten der ganzen Sammlung. Daßdiese frühzeitig für wertvoll gehalten wurde, ergibt die Überlieferung.

Wahrscheinlich besaß man schon 903 die Sammlung in Passau nach B. 28, 35 et for-matas epistolas*) unter den von Chorbischof Madalwin an Bischof Burchard geschenktenBüchern. Die beste Hs. ist Vindob. 1609 s. X f. 17 b—53, außerdem Monac. 19413 s. XII—XIIIf. 67—109, Rhenaug. 131 s. X (verstümmelt), Paris. 1007 s. X (unvollständig). Ausgaben vonE. Dümmler, Das Formelbuch d. Bisch. Salomo III. von Konstanz (Leipz. 1857) S. 1—63 undvon Zeumer, MG. Formulae p. 390—437.

Gedichte. Das erste ziemlich umfängliche Gedicht wird von einemProlog in Versen eingeleitet, der ein Gebet darstellt, das ähnlichen Inhaltsist wie das Gebet des Ausonius. Aus der ganzen Richtung und dem Tondes Gedichts selbst aber ergibt sich, daß Salomo schon früher mit Dadobrieflich verkehrt hat. Er wünscht bei diesem die gleiche Sinnesart undAnschauung über die Dinge und begehrt nichts sehnlicher als ein persön-liches Zusammentreffen mit ihm. Das Gedicht ist dadurch besonders inter-essant, als es sich auf die Zeitverhältnisse bezieht. Schon hatten die Ungarn899 Oberitalien verwüstet und waren im folgenden Jahre in die bayerischeOstmark eingebrochen. Hierüber sowie über die seit längerer Zeit im Reichetobenden Fehden klagt Salomo dem Freunde gegenüber, wobei er ohneZweifel zuweilen übertreibt. 5 ) Darein mischen sich Klagen über die Ver-waistheit des Reiches bezüglich des Königs, da nach Arnulfs Tode ein Kind

') Er war Salomos Zeitgenosse, da er915 starb.

2 ) Ausgabe p. XV.

3 ) Auf Iso gehen keine Urkundenformelnzurück, s. Zeumer, Neues Archiv 8, 547 ff.

4 ) Das könnte sich aus dem Aufenthalt

Salomos in Bayern nach Arnulfs Tode er-klären. Da hier allerhand Schulbücher voran-stehen, dürfte an Benutzung der Sammlungin der Schule zu denken sein.

5 ) Vgl. (PL. 4, 300) Vs. 80—84. 108 f.