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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Zu den Glossen. Es scheint angebracht, einiges aus den Glossen Abbos hier vor-zuführen, in denen zu p.77, 21 comitata] Beda de ortographie (Keil, GL.7,267,8) angeführtwird. 1 ) So erscheint p. 78,1 positor erklärt mit poeta;') 1,123 durcones mit naves; 199 dia-mant mit amant; 259 cateias mit dardos; 275 taxos mit ioos; 366 scenas mit lobias; 379Anquinis mit funibus; 424 gurdis mit ineptis, stultls; 2,521 conutn mit helmum; 607 indusiarimit indui; 608 decusata mit decorata. Daß für beide Bücher neben der Glossenliteraturauch grammatische benutzt ist, ergeben Formen und Glossen wie <?«# 1.134; quium 1,156und 2,189; erax interiectio laetantis 2,435; sestrix 1,483. Das dritte Buch besteht fastganz aus seltenen Worten, die der Glossenliteratur entnommen sind und ihre übergeschriebeneErklärung finden; es sind übrigens, wie schon v. Winterfeld p. 73 bemerkte, meist Wörter,die mit den Buchstaben A, B und C anfangen, verwendet, und es ist danach möglich, daßAbbo nur ein Fragment eines größeren Glossars benutzen konnte. Das ganze Gedicht wieseine Glossen lehren, daß Abbo etwas Griechisch verstanden haben muß, wie er auch zurUnterscheidung bei den Glossen des dritten Buches (vgl. p. 116 s.v. Linguae) griechischeBuchstaben verwendet und 1, 114 f. griechische Zahlwörter und die betreffenden Buchstaben-ziffern braucht. Interessant ist schließlich ein Distichon, das vielleicht zuerst eine späterin der Poesie häufig vorkommende asyndetische Häufung mit Beziehung der Wörter deszweiten Verses zum ersten zeigt; nämlich 1, 193 heißt es:

Vulneribus predis necibus flammis JaniataProsternunt, spoliant, perimunt, urunt populantur.

101. Hucbald von St.Amand.

Hucbald ist um 840 geboren und hat, nachdem er als Mönch in St. Amandeingetreten war, den Unterricht Heirics in Auxerre genossen, wo er jeden-falls den Grund zu seiner vielseitigen literarischen Ausbildung legte. Aberauch sein Oheim Milo in St.Amand mag sein Wissen reichlich geförderthaben, und als dieser starb, gab Hucbald seinen poetischen Nachlaß heraus,indem er das große Lehrgedicht De sobrietate um 876 an Kaiser Karl denKahlen 3 ) mit poetischer Widmung sandte; hingegen ist die Widmung desGedichts De laude calvorum an Karl wohl eine Erdichtung von C. Barth.Wenig später muß Hucbalds wissenschaftlicher Ruhm schon groß gewesensein, denn 889 befand er sich im Kloster Sithiu, wohin er vom Abt Rodulf,der 882 auf Fulco folgte, zu dessen Belehrung erbeten worden war, 4 ) wassein Abt Gauscelin und die Brüderschaft von St.Amand genehmigt hatten.Fulco aber war 882 zum Nachfolger Hincmars in Rheims erhoben worden,und da beide Schulen seiner Metropole — nämlich die für die Kanonikerund für die ländlichen Kleriker — bedeutend herabgekommen waren, beriefer zu ihrer Wiederherstellung neben Remigius auch Hucbald und ließ durchdiese beiden Heiricschüler das wissenschaftliche Leben der Schulen neubefruchten, so daß sie bald wieder ihren alten Ruhm erlangten. Aber Hucbaldknüpfte auch mit Ostfranken literarische Beziehungen an, wozu ihn haupt-sächlich hagiographische Interessen führten, wie er z. B. wohl währendseines Aufenthaltes in Rheims an die Brüder von Mont d'Or lez Rheimseinen Brief über Responsorien auf ihren Heiligen (St. Theodericus) schrieb,dem er zwei Hymnen auf den Heiligen beigegeben hat. Wichtig ist zunächstseine Verbindung mit Erzbischof Hatto von Mainz, dem er sein Gedicht

a ) Zu 1, 99 musclis (vgl.Veget.4,13. 16und Charis. bei Keil,GL. 1,95,11) ferris, Mus-culus est quo muri perfodiuntur; hinc quasimuriwcnlus dicitur; fit autem similis cunictdo.Uebrigens scheint auch für 1,220pluteos Vege-tius (4, 15) benutzt.

2 ) Vgl. zu 1,633 p.97 und zu 2,617 p. 115.

3 ) Nach der Aufschrift (PL. 3, 610) Ka-rolo Imperatori Augusto Hucbaldus.

4 ) Rodulf war nämlich Laienabt und ließsich daher durch den gelehrten Mönch unter-