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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Deshalb wandte sich der Mönch Wandalbert von Prüm an ihn, da er wußte,daß Florus vortreffliche Handschriften aus der einschlagenden Literaturbesaß. Er bat ihn um deren genaue Emendation und Florus übersandtesie nach Prüm, und nach diesen Quellen hat dann Wandalbert sein poetischesMartyrolog gearbeitet.
Florus ist aber noch weiter als kirchlicher Schriftsteller hervorgetreten,indem er an dem Streit über die Prädestination 1 ) Anteil nahm, der vonGodescalc ausging, indem dieser von Augustins Ideen völlig beeinflußt wordenwar. Wahrscheinlich beauftragte die Lyoner Geistlichkeit oder vielmehrErzbischof Amulo den Florus mit einer Entgegnung auf Godescalcs Auf-fassung. Diese erste Schrift ist scharf, aber kurz gehalten, und am Schlußbittet Florus seinen Auftraggeber, seine Ohren vor der falschen Lehre zuverschließen. Als aber Johannes Scottus, der große westfränkische Philosoph,sich der Frage annahm und in einer Schrift von neunzehn umfänglichenAbschnitten gegen Godescalc behauptete, die Prädestination Gottes könneunter allen Umständen keine zweifache oder doppelte, sondern müsse eineeinfache und unzusammengesetzte sein, da verfaßte Florus im Auftrag seinerKirche eine sehr ausführlich gehaltene Widerlegung, in der er sich in äußerstgeringschätziger Weise 2 ) gegen Johannes aussprach: seine Schrift beginntmit den wenig liebenswürdigen Worten: „In unsre Lyoner Kirche ist kürz-lich die Schrift eines törichten und lächerlichen Menschen gekommen, derüber die göttliche Allwissenheit und Vorausbestimmung vom menschlichenund, wie er sich rühmt, vom philosophischen Standpunkt geschrieben hatund ohne Berücksichtigung der heiligen Schrift und der Väter diese wich-tigen Fragen bloß nach seiner anmaßenden Meinung entschieden wissenwollte. 83 )
Endlich ist Florus nach Sitte der Zeit auch als Bibelerklärer auf-getreten. Er hat einen umfänglichen Kommentar zu den paulinischenBriefen geschrieben. Die erste Abteilung in zwölf Büchern bildet eine ArtKatene, sie setzt sieh aus den Erklärungen von zwölf Vätern zusammen.Die zweite Abteilung, die allein gedruckt ist, schöpft ausschließlich ausAugustin. — Über die gegen Johannes gerichtete Streitschrift weist zeitlichkein anderes Datum bei Florus hinaus, er ist wohl um 860 gestorben.
Zeugnisse. Der früher beigelegte Name Drepanius begegnet nur in der Aufschriftund Unterschrift zu Carm. 29 (PL. 2, 564 Incipit versus Drepani de cereo paschali und p. 566finü Drepanius). Die Aufschrift bezeugt, daß das Wort Personenname sein soll. Ob damitein Versteckenspielen hinter dem Namen des Latinius Drepanius Pacatus gemeint ist?Wenigstens scheint eine Hs. der Panegyriker in Prankreich gewesen zu sein (St. AubindAngers s. XII, vgl. Delisle, Le cab. des mscr. 2, 485 ff. N. 81). Oder -war Drepanius demFlorus aus Ausonius bekannt? Im Obituarium Lugdun. eccl. (ed. Guigue p. 17) steht zuVI Id. Febr. der Eintrag Obierunt Florus et Iohannes diaconi, bei Wandalbert im Briefe an
') Eine Predigt des Florus. die sich hier-auf bezieht, hat Hincmar in der Vorrede zuseinem großen Werke erhalten, s. Migne125, 57—59.
5 ) Hieran ist nicht nur die sittliche Ent-rüstung wegen der Sache, sondern sicher auchdie irische Abstammung des Gegners schuld.Man blickte auf die umherziehenden und oftbettelhaften Iren mit großer Geringschätzung
herab.
3 ) Vgl. hierzu die Worte im Widmungs-brief (Migne 122, 357 A) Munuscula igitwnostrl ingenti libenter acc-ipite und Kap. 1 desersten Abschnitts, wo gleich im Anfang om-nis piae perfectaeque doctrinae modus als aufder Philosophie beruhend hingestellt wird,sowie die Worte 1, 3 col. 358 C non incöngrueregulis disputatoriae artis utemur.