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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
sich die Glossen und Scholien des Textes an, die mehr als sonst auf deralten Literatur fußen. So wird Cicero nicht selten angeführt, desgleichenSeneca und Publiliussprüche, außerdem Terenz, Horaz, Ovid, Persius,Boethius.Mit dem Charakter der Sentenzsammlung stimmt es überein, daß eine Mengevon Sprichwörtern angeführt wird, 1 ) die allerdings im Botomag. 1470 meistfehlen. Auch Stellen aus der Vulgata sind recht häufig.
Proben (aus Rotomag. 1470) 2,6,1 Unde Seneca dicit: Apis parvum [animal] et magnamanimam habet. Sicttt dixit: Corpore premodico mel tibi prestat apis. Sicut et camelus magnumhabet corpus et parvam animam. Sic et asinus, et Virgilius: Gestat in angusto magnas in cor-pore vires. Interessant ist die Avianparaphrase 2 ) zu 2.26,2 Hoc proverbium sumsit Cato deverbis Avieni (fab. 10) ubi legitur de quodam calvo: Qiä cum- agitaret et curreret equum mmin campo Martio, habebat in capite suo calamaucmn instar liumani capitis factum. Flauteautem vento abstulit ittum calamaucum eins de capite et sie calvitium eius apparuit. Vidensautem populus magnum plausum ■ i ■ risum excitavit. Tunc conversus ad popidum dixit: Quidmiramini, si istos capillos faeütios perdidi, cum Mos, qui naturales erant, amisi? Unde Improverbium sumptum est: Fronte capillata. Possumws autem per capillos divitias intellegere,qu/'a ut capilli contegunt carnem, sie divitie quodammodo cooperiunt amicos, quos ei haberefaciunt. 4, 36,1 Iaetura proprie est damnmn quod naute patiuntur in mari propter tempe-statem videlicet omnia sua in pelago [iacientes] ut levius regatur navis.
ßemigius spricht hier zuerst über Person, Ort und Zeit des Verfassers,dann über die causa scribendi und setzt dann ein größeres Vorwort herüber Quis quid tibi quibus auxilüs cur quomodo quando, 3 ) an dessen Endeer sich über titulus und über (titulus diminutivum a Titane) ausläßt. Inter-essant ist, daß zu Prol. 3, 2 und 6 eine größere Stelle aus dem Kommentardes Angelomus in ßegum 3, 1 (Migne 115, 394B) fast wörtlich mit denFehlern des Angelomus gegenüber der zusammengezogenen Quelle (Cic.Cato mai. 13) ausgehoben wird, nämlich die Stelle über das Alter des Plato,des Sokrates 4 ) (für Isokrates) und des vir grecus Athenius thedes. Auch ausdiesem Kommentar ergibt sich die Kenntnis des Griechischen wie auchmancherlei lexikalisch Wichtiges. 5 ) Auch fehlt es nicht ganz an Textkritik. 6 )
Ueberlieferung: Lucensis 1431 s. XI (s. Mancini S. 175); Trevirensis 1093 s. XI(Rand, Johannes Scottus S. 97); Fuld.Cll s. XV f. 262a—287b (s. Steinmeyer, Die alt-hochd.Glossen 4,440); Rotomag.1470 s.X— XI f.73 a—79a. Einzelnes veröffentlichte A.Man-cini, Rendic. della Accad. dei lincei Ser. 5 Bd. 11,175—198. 369—382.
7. Juvenalkommentar. Höchst wahrscheinlich hat Heiric in der
Schule zu Auxerre den Juvenal erklärt, 7 ) und ßemigius hat entweder die
Vorträge seines Lehrers gesammelt und herausgegeben, oder er hat sie
mit eigenen Erklärungen erweitert. Jedenfalls knüpft sich an seinen Namen
auch ein solches Werk, dessen Umfang nicht unbedeutend gewesen sein
kann, da es zweimal als selbständige Handschrift erwähnt wird. Nämlich
s. XI in einer deutschen Bibliothek (Bamberg?) bei Becker 63, 37 und 1247
in Glastonbury. s ) Weiteres ist bis jetzt hierüber noch nicht bekannt ge-
') Vgl. Mancini a. a. O. S. 370 ff.
2 ) Bei Mancini S. 373 viel kürzer alsim Rotomag. 1470. — Vielleicht hat Remigiuseinen Kommentar zu Avian geschrieben, s.Rand, Johannes Scottus S. 97, wo aus Tre-vir. 1093 s. XI Glossen zu Avian erwähnt wer-den, d. h. aus einer Hs., die besonders Erklä-rungen des Remigius enthält.
3 ) Also ähnlich wie in der schulmäßigenkurzen Einleitung zu Sedulius, die im Paris.13029 s. IX f. 9 b am Unterrande steht undals die VII periodic aufführt quis quid cur
quomodo quando ubi quibus facultatibus.
4 ) Ist von Mancini S.194 und n.2 nichtverstanden worden, da er die Quelle nichtkannte.
5 ) Mancini S. 374 ff. 370 ff. 372 f.
6 ) Mancini S. 185.
7 ) Vgl.Liebl, DieDistichaCornuti S.36ff.und Traube, PL. 3, 424 n. 3.
8 ) Vgl.NeuesArchiv32,681f. BeiB.63,37steht in iuven, doch im Katalog von Glaston-bury ist super iuvenalem ausgeschrieben; anJuvencus ist also nicht zu denken.