Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
510
Einzelbild herunterladen
 

510

Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, Erster Teil.

folgt f. 57b der metrische Prolog, f. 58a—72b das ganze Werk, das aufgleiche Vorlage wie das Fragment zurückgeht, nämlich auf eine demMonac. 6281sehr nahestehende Handschrift. Die Schotten des Fragments sind aber ab-weichend von denen des ganzen Werkes, so daß, falls die des letzterendem ßemigius angehören, eine Kontamination mit einer andern Schottenmassestattgefunden haben muß. Jedenfalls offenbart sich in den Scholien desganzen Werkes eine seltene Kenntnis der lateinischen Sprache, indem derVerfasser besonders auf die Etymologie und Bedeutung der von Phocasgebrachten Wörter ausgeht. Die Einleitung aber zu dem Fragment ist ohneZweifel ein Exzerpt aus Remigius' Schrift und auch die Scholien des Frag-ments verraten, trotz ihrer exzerptartigen Form, vielfach eine ungewöhn-liche Sprachkenntnis. Manches ist aus Priscian, aus Servius und aus demAuszug des Paulus genommen, besonders aber sind auch Glossen benutztworden.

Proben: Im Fragment zu Keil 412.1 Glis gliris animal, glis glisis terra tenax, glisgMtis lapta 1 ) • i • Carduus, gliris gliridis glarea ovi. 2 ) Im ganzen Text zu Keil 415, 8 Lucardicitur pecunia vel templum übt peccunie adqnirebantur; zu 416, 8 Uxor quasi unxor, anti-qui uxores accipientes Urnen ostii ungebant; 2 ) 428,7 Proceres proprie sunt capita trabiumque prominent de macheria, qui et mutuli vocantur; 436, 6 Ovare gaudere, tractum ab ovo(1. ove) quia quando antiqui tropheum celebrabant in Capitolio de alba ove immolabant.

Der Kommentar zu Eutyches steht gleichfalls am Rande und interlinearals Begleitung des Textes f. 81a—97b. In der Einleitung, wo nach locustempits persona und causa gefragt wird, werden zwei Fassungen durch-einandergemischt. Die Erklärungen zu Eutyches sind wesentlich grammatischgehalten, nicht, wie die meisten anderen etymologisch oder semasiologisch.Das zweite Buch beginnt mit einer längeren Einführung über die vonEutyches hier behandelten Formen des Verbum. Benutzt werden zu denErklärungen (der zu Keil p. 448, 4 genannte) Diomedes und Consentius,sowie natürlich besonders Priscian und Glossare.

Proben: Zu Keil 448, 9 Cumque] Hoc dicit in ista constructione ubi communicant verbalatina verbis baritonorum, quia carent accentu in fine et in hoc communicant cum verbisperispomeni quia inteüiguntur ex vocalibus secunde persone et dividuntur a verbis barito-norum. 449, 2 glisco] iuveniscere incipio, crescere incipio. Glires dicti sunt quia pingues eosfacit somnus, nam gliscere dicimus crescere. Kieme enim tota dormiunt [et] 4 ) quasi mortuiinmobiles permanent, estivo tempore reviviscunt. Glis glisis augmentum crementum, glis glidisgraduus, b ) glis glisis terra tenax. 6 )

4. Kommentar zu Beda de metrica arte. Bedas metrisches Lehr-buch war ungemein verbreitet und wurde wegen der vielfachen Anführungenaus christlichen Dichtern den früheren einschlägigen Werken vorgezogen.Alle karolingischen Grammatiker haben sich seiner bedient, sobald sie aufmetrische Dinge zu sprechen kamen. Remigius mochte für die Schulemanches darin zu erläutern haben und faßte diese Erklärungen dann ineinem Kommentar zusammen, der s. X von Froumund in Tegernsee ab-geschrieben wurde, dessen Kopie im Monac. 19456 f. 164a—174a vorliegt.Sie hat die Subskription Ego Iroumundus cppi hunc libellum scribere sed

: ) Muß lappa heißen.

2 ) Ganz ähnlich im Kommentar zu Eu-tyches zu Keil p. 449, 2.

3 ) Daraus schöpft Albericus im Poetarius(SS. rer. myth. lat. tres ed. Bode 1,166, Uff.)

*) et fehlt Hs.

5 ) Lies Carduus.

6 ) Vgl. zu diesem Stück Osberni Panormiap. 259 und 264 ed. Mai.