Heiric von Auxerre. 499
sitibundus sitim suam posse sedari, ad mare cucurrit, scilicet Homerum nescioquem novum pro hac re invocans eis Hrenum, qui in morem Flacci non curritin poemate sed fluit. Hiermit spielt er ohne Zweifel auf die wortreiche undweit ausgesponnene Vita S. Galli metrica an, deren Verfasser er einengehörigen Hieb versetzt, wenn er ihm die Vorwürfe macht, die Horazgegen Lucilius (Sat. 1, 4, 6—11; 1, 10, 50) erhebt. Es erscheint somit aus-geschlossen, daß Ermenrich selbst der Dichter der metrischen Vita S. Galliwar, und da diese 850 fertiggestellt wurde, so hat sie Ermenrich, der sich dochlängere Zeit in St. Gallen aufgehalten zu haben scheint, ganz gut kennen können.
Die Quellenfrage in dieser Schrift ist durch Bonnell (Philol. 8, 440 ff.),durch Diimmler (in seiner ersten Ausgabe, Halle 1873) und durch P.v. Winter-feld (in Dümmlers zweiter Ausgabe Ep. 5, 536—579) gelöst worden. Esscheint, daß alle im Briefe benutzten Schriftsteller und Dichter den Biblio-theken von Reichenau und St. Gallen angehörten. Ich zähle hier die be-nutzten Quellen auf: Von Grammatikern kennt Ermenrich den Donat (beideArtes), 1 ) Consentius, Servius Honoratus' Vergilkommentar und De finalibus,Pompejus, Priscian, Isidor (Etymologien und Differentiae), Beda, Paulus'Auszug aus Festus, Alchvines Grammatik und die Quaestiones des Bern. 83.Von Dichtern zitiert oder benutzt er Lucretius, Vergil, Horaz, Ovid, denHomerus latinus, Ausonius (Domestica und MosellaJ, Gedichte der Anthologie,Prudentius,Juvencus,Arator,PrisciansPeriegese, Aldhelm, Alchvines Gedichte,Theodulf, Modoin. Aus christlicher Prosa kennt er Augustin, Boethius,Fulgentius (Mitologiae), Gregor, Beda (Hist. eccl.), Alchvine (De arte rhe-torica, De dialectica, De fide s. trinitatis), Walahfrids Vita S. Galli undvielleicht Hrabans De rerum naturis (vgl. p. 574, 37 f.). An manchen Stellenmacht die Schrift den Eindruck, als sei sie aus nachgeschriebenen Diktatenhervorgegangen, die auswahllos aneinandergereiht wurden. Übrigens ist zubemerken, daß die Schrift erst für die Endabschnitte (von c. 31 an) Über-schriften aufweist. Die Kapiteleinteilung Dümmlers ist teilweise willkürlich. 2 )
Das Werk befand sich 1461 in St. Gallen (Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S.416R 14).Da in dieser alten Aufschrift ebenfalls episcopl steht, so ist diese wohl identisch mit dereinzigen Handschrift, nämlich Sangall. 265 s. X, obwohl hier Grimöldum, dort aber Grimaldtimsteht. Erste vollständige Ausgabe vonDümmler, Ermenrici epistola ad Grimöldum archi-capellanum,HalisSax.l873. Zweite kritische Ausgabe von Diimmler, MG. Ep. 5, 536 —579. —Vgl. Haupt, Hermes 1,403. Ebert 2,181. Zum letzten Abschnitt s. von Winterfeld,Neue Jahrbb. f. d. klass. Alt. 1900,346.
78. Heiric von Auxerre.
Heiric war im Jahr 841 geboren, wurde als Knabe von sieben Jahrenins Kloster Auxerre (S. Germani) gebracht und dort 859 zum Subdiakongeweiht. Er besuchte dann auswärtige Schulen, um seine Kenntnisse zuvervollständigen und hörte besonders zu Ferneres den berühmten Lupus, aufdessen Diktaten ein Teil seiner Exzerptensammlung beruht (Stücke aus Suetonund Valerius Maximus). In Laon genoß er den Unterricht des Iren Elias, 3 )
*) Und die Vita Vergili.
2 ) So hängt c. 36 nach der Ueberschriftvon c. 35 unbedingt mit 35 zusammen, hin-gegen wäre p. 576,9 ein neuer Abschnitt zu
beginnen, da eine Aufschrift vorhanden ist.3 ) Gautberti Stadoy^ ed. L.Müller,Rh.Mus. 22, 634 ff. ,Ät Helias Heiricwm infor-mans'.
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