Lupus von Ferrieres. 487
inventione verwechselt zu haben. Letzteres Werk besaß Lupus persönlichund hatte es, weil es fehlerhaft war, mit dem Fulder Exemplar verglichen,allerdings ohne Erfolg (ep.l p. 8,27 ff.). Außerdem erbat er von Einhartden Kommentar (des Victorinus) zu Cicero de rhetorica und Gellius' noctesitticae. Gellius wurde übrigens in Fulda längere Zeit zurückgehalten, dader Abt Hraban auch für das Kloster eine Abschrift zu nehmen befahl;es handelte sich hier wohl nur um die Bücher 9—20. Von Cicero besaßLupus eine Briefsammlung und er ließ sich durch den Mönch Ansbald ausPrüm ein anderes Exemplar senden, um es mit seiner Hs. zu kollationieren;welche Sammlung es war, wird sich wohl nur nach den Angaben derLorscher Aufschriften bestimmen lassen. 1 ) Außerdem bat Lupus den Ans-bald um Ciceros Aratea (ep. 69 p. 67,5ff.), da er das Prümer Exemplar, dasnach Eigils Aussage unvollständig war, aus einer zweiten Hs., die er baldzu erlangen hoffte, vervollständigen wollte; dieser letzte Wunsch ist aberwohl unerfüllt geblieben, denn die als Archetypus für die heutige Über-lieferung anzusehende Prümer Hs. wird auch nur das Bruchstück enthaltenhaben. Dagegen hatte Lupus seinen Livius an Erzbischof Wenilo vonSens geliehen und in zwei Briefen (ep. 73.74 p. 69) erbat er die Rücksendung,da er die Hs. wohl zu einer Kollation notwendig brauchte (ep.74 p. 69,34).Seinen Bruder Heribold, Bischof von Auxerre, belehrt Lupus über die WerkeCäsars, dem er nur de bello Gallieo zuschreibt; er meldet ihm, daß er ihmdas Werk senden werde, sobald er es erhalten habe 2 ) (ep.37 p.46,32ff.).Um denSueton zu erlangen, wandte er sich zweimal an Marcward von Prüm;er wußte, daß sich das Werk in zwei kleinen Bänden in Fulda befand, under bat den Abt Marcward, für ihn nach Fulda an Abt Hatto zu schickenund ihm den Sueton wennmöglich persönlich zur Abschrift zu überbringen.Diese Fulder Hs., der Archetypus aller erhaltenen, war von Einhart be-nutzt worden. Man hat wohl der Bitte des Lupus nur insofern entsprochen,als man in Fulda selbst eine in halbinsularer Schrift — sie wurde von Lupusverstanden, da er selbst dort gewesen war — gehaltene Kopie nahm undsie dem Lupus sandte. Danach hat dieser seine Diktate gegeben, die vonHeiric aufgezeichnet wurden (kritische Ausgabe von M. Ihm,Hermes 36,343ff.),und auf diese Kopie gehen alle französischen Hss. zurück, durch die Suetonallein erhalten ist (Paris. 6115 ist in Tours s.IX geschrieben), vgl. Traube,Neues Archiv 27,266. Auch auf Aurelius Victor hat sich seine kritische Tätig-keit erstreckt, denn er übersandte Karl dem Kahlen ein wohl von ihm selbstgeschriebenes Exemplar 3 ) und wies ihn auf die Nacheiferung von Trajanund Theodosius hin.
Außerdem ergibt sich aus seinen Briefen manches über seine Lektüre.Er liest Publilius Syrus (ep. 33 p. 42,12) und die Sprüche Senecas (ep. 64p. 64,23 ff.), er rezensiert (s. unten) und zitiert den Valerius Maximus (ep. 93
*) Vgl. Manitius, Philol. a. alt. Biblkat.S.18.
2 ) Das ist insofern merkwürdig, als dochin Fulda eine Cäsarhs. gelegen haben muß,da Einhart das Bellum Gallicum viel benutzthat, s.Manitius,Neues Archiv 7,521 f. Auchder Anonymus de situ orbis (ed. Manitius)p- 48 f. hat jedenfalls einen Vertreter der a-
Klasse benutzt. Die Hs. von Fleury (Paris.5763) wird in den alten Verzeichnissen desKlosters nicht aufgeführt.
3 ) ep. 93 p. 83,15 Imperatorum gesta bre-vissime comprehensa vestrae maiestati offe-rendi* curavi, vgl. Traube, Münch. SB. 1891,402.