Badbert von Corbie, 403
stieg des Orpheus in die Unterwelt beredt dargestellt und mit dem TodeAdalhards in Parallele gesetzt wird. Ebenso wird Kap. 20 eine Similitudoex Tullio angebracht. Am Schlüsse dieses Lebens Adalhards steht einWechselgedicht, das durch eine ausführliche erklärende Aufschrift mit derVita in Verbindung gesetzt ist und nach den Untersuchungen Traubes 1 )keinem anderen als Radbert angehört. Das Gedicht wird von zwei NonnenGalathea und Fillis vorgetragen, unter denen Corbie und Korvei zu ver-stehen sind. Beide bemühen sich, das Thema der Vita, die Klage um denteuren Toten, weiterzuspinnen, und das geschieht unter Anwendung einerMenge von wörtlichen Zitaten und Anlehnungen an die alte Poesie undan die Vita selbst.
Die Verbindung mit Korvei gab Radbert auch später nicht auf. Wohlbald nach 826 richtete er an Abt Warin eine Schrift De fide, wozu ihnder Korveier Abt aufgefordert hatte. Namentlich wird hierin über dasVerhältnis des Glaubens zur Erkenntnis gesprochen und ein tieferes theo-logisches Nachdenken angebahnt. Das Werk beruht in der Hauptsache aufAugustin, Radbert verschmäht es aber nicht, eine größere Stelle aus demzweiten Buche seines Matthäuskommentars aufzunehmen. 2 ) Er setzte esspäter fort, indem er an Warin ein zweites Buch De spe und zwar gleich-falls zum Zweck der Belehrung von dessen Mönchen richtete. Der Ver-fasser geht hier etymologisch (c. 4, 1) und sachlich von Isidor (Et. 8, 2, 5)aus und bekämpft 3, 2 den Satz Senecas Spes incerti boni nomen est.' 6 ) Inviel späterer Zeit, als Radbert seine Abtswürde in Corbie niedergelegt hatte,fügte er ein drittes Buch De caritate hinzu, das sich im Anfang gleichfallsgegen die Philosophen wendet und c. 2, 1 das Wort Caritas, sonderbar genug,nach dem Vorgang Isidors (Et. 8, 2, 6) aus dem Griechischen ableitet. 4 )
Gleichfalls an Warin richtete er innerhalb der Jahre 831 und 833 einanderes Werk, das zu seinen bedeutendsten Schriften zählt und später ammeisten verbreitet war. Es betitelt sich De corpore et sanguine dominiund gibt die erste ausführliche Abhandlung über das Sakrament des Abend-mahls. In der Widmung an Warin, den er hier Placidius nennt, sagt er,daß er das Werk in volkstümlichem Stile geschrieben habe, damit es auchUngelehrte verstehen könnten, und daß er hier keine Fabelei mit dem WitzeMaros biete, sondern eine Schrift über einen höchst wichtigen Gegenstand;am Schlüsse zählt er seine Quellen auf, unter denen Cyprian und Hesychius 5 )erscheinen. Die Schrift selbst erscheint infolge ihrer Komposition mehreine Verbindung verschiedener Abhandlungen, als aus einem Gusse hervor-gegangen zu sein; denn die einzelnen Kapitel schließen sich inhaltlich nicht--------------------------------------------------------------------------■ *
') Radbert sagt selbst im Widmungs- i soplms sho Lucüio, Migne 120, 1442 B).;edicht zu De fide spe et caritate an Warin j 4 ) Danach soll es von zügig kommen!
6 ) Die lateinische Version des Kommen-tars zum Leviticus gab es s. IX in St. Wan-drille, in Würzburg, in Lorsch, s. XI in Weißen-burg und Corbie (s. Becker, Cat. bibl. ant.p. 313). Daß das Corbier Exemplar schons. IX dort lag, ergibt die Benutzung durchRadbert; auch Hraban hat diese Version ge-kannt, s. ep. 10 (MG. Ep. 5, 396, 25).
Vs. 4 (PL. 3, 51) Bucolicosqne relingue favos,womit an die Ekloge angespielt wird.
2 ) Nämlich de fide9 (Migne 120,1410A)Quia iam in Matheo prolixius disseruimus,unde hie, quia de fide agitw, pauca posuimus.Die folgenden Sätze ita ut non solum bis Cegregie distinxit entsprechen genau der Expos.in Matth. 2, 3 (Migne 120, 176 C bis 177 B).
3 ) Sen. ep. 10. 2 (De qua Seneca philo-
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