Claudius von Turin.
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wieder an seine geliebte Bibel, und zwei Jahre, nachdem er den Pentateuch 1 )erklärt hatte, ging er zu den Büchern Josua und der Richter über (825oder 826). Dies sollte die letzte seiner Bibelinterpretationen sein, er begann sieschon unter den heftigsten Anfeindungen und Drohungen gegen seine Person,hat sie aber trotz der großen Schwierigkeiten vollendet. Bei diesen zahlreichenSchriften gilt es noch des Umstands zu gedenken, daß Claudius seine Vorredendazu mit der Zeitangabe stets früher als die Bücher selber schrieb und daßletztere also später beendet sein müssen, als das Datum der Vorrede angibt.Aber schon vordem muß das Verhältnis des Claudius zu Theudemirgelitten haben. Es wurde nämlich bekannt, daß der Turiner Bischof inseinem Sprengel gegen die Verehrung der Bilder, der Kreuze und der Heiligensowie gegen die Wallfahrten nach Rom und gegen die hohe Geltung desPetrus in der nachapostolischen Kirche aufgetreten war und einen Bilder-sturm auf eigne Faust unternommen hatte. Wir wissen aus dem Inhaltseiner Briefe, daß er sich mehrfach über Anfeindungen beklagte, und zuseinen Widersachern hatte sich auch Theudemir gesellt, der schon 823oder 824 2 ) ein Schreiben an ihn richtete, in dem er dem Claudius vorwarf,daß dieser eine neue Sekte gründen wolle und den Glauben umstürze.Hiergegen wandte sich nun Claudius in seinem Apologeticum atque re-scriptum adversusTheudemirum abbatem, einer ziemlich umfänglichen Schrift,die jedenfalls alsbald von Theudemir dem Kaiser und den Großen am Hofevorgelegt wurde. Sie erregte argen Anstoß und wurde vielleicht allgemeinverworfen. Wahrscheinlich befahl Ludwig selbst, einen Auszug aus ihr zumachen und sie dann zu vernichten, damit das in ihr enthaltene Gift nichtweiter wirke. Den Auszug aber, der nur einen ganz kleinen Bruchteil derSchrift enthielt, 3 ) behielt man, um Claudius damit zu widerlegen; er wurdean Bischof Jonas von Orleans und an den Iren Dungal gesandt, die beideeine Gegenschrift gegen Claudius verfaßten und die einzelnen Stücke desExzerpts wörtlich anführen, um sie zu bekämpfen. Man sieht aber aus diesenSätzen des Claudius, daß in ihm' eine äußerst ernsthafte Natur lebte, diesich tief in das Christentum der ältesten Zeit hineingedacht hatte und dievielfachen Auswüchse der Kirche aus späteren Jahrhunderten als Aberglaubenverabscheute. Die Kirche als die Trägerin und Verbreiterin dieses Aber-glaubens griff er schonungslos an, Witz, Spott und Satire standen ihm dabeireichlich zu Gebote. Für die späteren Zeiten ist es doch dabei höchst merk-würdig, daß der Papst 4 ) in der Schrift des Claudius zwar als sein Gegnererwähnt wird, man erfährt aber nichts davon, daß Paschais Nachfolger etwaals oberste Instanz angerufen wurde: so kirchlich gesinnt der Kaiser auchwar, man hielt damals noch an der fränkischen Landeskirche fest, als derenOberhaupt der Kaiser galt; und das ehemalige Wohlwollen Ludwigs mochte
') lieber das Buch Numeri steht nichtsweiter fest als die Aussage ep. 11 (Ep. 4,609, 21). Das Buch Deuteronomium schloßer nach ep. 11p. 609, 19 ff. aus.
2 ) Daß die Vermahnung noch in die Zeitdes Papstes Paschalis gehört, hat Zaccaria,Biblioth. Pistoriensis p. 65 f. erwiesen.
3 ) Da die Schrift nach Jonas De cultu
imag. 1 (Migne 106,312 0) au Raum denPsalter um ein Drittel übertraf, so kann dochnicht nur alles das im Exzerpt ausgelassenworden seid, was Claudius aus den Vätern ex-zerpiert hatte, wie Dümmler, Berl.SB. 1895,434 f. zu meinen scheint.
4 ) Es war Paschalis L, der soeben ge-storben war, cf. Ep. 4, 613, 27 ff.