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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Johannes Scottus.

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bedingten Konstruktionen erläutert, zuweilen wird auch eine Rechtfertigungfür die Übersetzung gegeben. 1 ) Natürlich geht Johannes auch auf dasSachliche ein, aber er will doch vor allem den Wortsinn klarlegen. Einensolchen Kommentar hatte das 9. Jahrhundert noch nicht aufzuweisen, dasja in der allegorischen Auslegung der heiligen Schrift die höchste Weisheitder Exegese fand. Freilich fehlt auch die Allegorie keineswegs bei Johannes,und zwar ist sie durch Dionysius beeinflußt worden; aber sie ist insofernauch über der zeitgenössischen erhaben, als sie viel tiefsinniger und um-fassender gedacht ist als diese. Und ähnlich ist das Verhältnis bei einigengrößeren Fragmenten, die sich von dem Kommentar zum Johannes-evangelium erhalten haben. 2 ) Hier mögen vor allem die Untersuchungeneingewirkt haben, die Johannes zum Logosbegriff anstellte und die besondersin seinem Hauptwerke 3 ) IIsql (pvaeoog [xeoia[xov niedergelegt sind. Johanneswar in diesem Kommentar fast allen seinen Zeitgenossen insofern ungemeinüberlegen, als er den griechischen Text des Evangeliums neben der Über-setzung benutzen konnte; und da es ihm auch hier darauf ankam, vorallem den Wortsinn festzustellen, so erhalten wir öfters eine mehr philo-logische Interpretation mit genauer Abwägung des griechischen und latei-nischen Textes,*) wobei dem griechischen Original stets der Vorzug erteiltwird. 5 ) Aus einer Stelle geht sogar hervor, daß Johannes vielleicht zweigriechische Handschriften des Evangeliums benutzte (Migne 122, 302 BC),wenn man dort nicht eine im Text übergeschriebene Lesart annehmen will.Auch hier wird die allegorische Erklärung, die bei anderen oft ein Spielder Gedanken darstellt, mehrfach zu einer besonders tiefsinnigen Auffassung,was vielleicht auch durch die Benutzung der Schriften des Dionysius zuerklären ist. 6 ) Ähnlich gehalten ist eine Homilie zum Prolog des Johannes-evangeliums, die in gewisser Beziehung Ersatz für den verlornen Anfangdes Johanneskommentars bietet; auch hier steht sprachliche Exegese 7 ) nebenkühnster Allegorie, aus der besonders die Stelle bei der Einführung desJohannesnamens mit dem Adler (col. 291 B C) zu erwähnen ist, da sie Ver-wandtschaft mit der Allegorie des 12. und 13. Jahrhunderts zeigt.

Bald nach der Übersetzung des Dionysius beauftragte König Karl denJohannes mit einem ähnlichen Werke, das er wahrscheinlich erst durch dieirischen Gelehrten kennen gelernt hatte und das mit Dionysius in näheremZusammenhang steht. Es handelt sich hier um die Ambigua des AbtesMaximus, die dieser auf Veranlassung des Erzbischofs Johannes von Kyzikusgeschrieben hatte; es ist eine Auswahl schwieriger Stellen aus den Sermonesdes Gregor von Nazianz, zu deren Erklärung Maximus vielfach den Dionysiusherangezogen hatte. Johannes entschuldigt sich in der Widmung an Karl 8 )

') Vgl. Migne 122, 192 C und 194B.

2 ) Hiervon besitzen wir entweder dasAutograph oder ein vom Autor durchgesehenesExemplar im Laudun. 81, vgl. Traube beiE. K. Rand, Johannes Scottus S. IX.

3 ) Berührungen des Boethiuskommentarsgibt E. K.Rand, Johannes Scottus S. 13 f.

4 ) Vgl. Migne 122, 298B. 299 AB. 302B.305BC. 318 D. 321 A.

6 ) Vgl. hierzu Migne 122, 298 B quod

multo signiftcantius est; 299B ut significantiusin Graeco; 304 C graeco nomine . . . luce cla-rius significatw ; 315 A; 319 B.

6 ) Vgl. Migne 302 A. Zur Allegorie vgl.Migne 343 f. Auch Maximus, der Erklärerdes Gregor von Nazianz, wird angeführt, vgl.Migne col. 306 B und 337 B.

') Vgl. Migne col. 286 D, 287 D, 295 A.

8 ) Ep. 6, 162 f. N. 15.