Sedulius Scottus. 321
Hauptinhalt der Sammlung: 1. Proverbia Grecorum (Anfang undWidmungsbrief bei Klein a. a. 0. S. 25 f., Brief auch MG. Ep. 6, 206), heraus-gegeben von Hellmann S. 122—129. Bekannt auch durch den Anonymusvon York s. XII im Cantabr. Corp. Chri. Coli. 388, durch die Irische Kanon-sammlung im lib. XXV und durch das Schreiben von Kathvulf s. VIH(MG. Ep. 4, 502), endlich durch Seduls Liber de rectoribus christianis. Auseiner gewissen Konkordanz der vier letzten Quellen ergibt sich, daß Seduldas Werkchen vollständiger besaß, als es im Kollektaneum vorliegt. Sowerden die 74 Abschnitte auf 78 vermehrt, aber auch dies scheint nurein Teil zu sein; vgl. Hellmann S. 121 und 133. In der byzantinischenLiteratur findet sich das Werk nicht, es scheint irischen Ursprungs zusein, mindestens in seiner lateinischen Fassung, die wohl noch ins 6. Jahr-hundert zurückgeht, da der Stil noch nicht durch die lateinischen Kirchen-väter beeinflußt ist, vgl. Hellmann S. 133 ff. 2. Stücke verschiednen Inhalts,die sich oft mit Bedas Kollektaneum (Migne 94, 539) berühren. KleinerDialog zwischen Senex und Adolescens herausgegeben bei Hellmann S.120.Proverbia Senecae, sind Auszüge aus dem Liber de moribus, verglichenvon Klein S. 27—31. 3. Exzerpte aus Orosius, kollationiert bei Klein
5. 40—45. 4. Exzerpte aus Valerius Maximus, von Klein übersehen, kolla-tioniert von Hellmann S. 145. 5. Exzerpte aus Macrobius, s. Klein S. 47 f.
6. Fragmente und Auszüge aus Cicero, und zwar In Pisonem, Pro Fonteio,De inventione, Auct. ad Herennium, Pro Flacco, Philippicae, Paradoxa,Tusculanae, s. Klein S. 49—58. 80—86 (mit Ausnahme der Exzerpte ausden Tusculanae, s. Hellmann S. 106 und 144 f.). Mit dieser reichen Cicero-kenntnis tritt Sedulius an die Seite von Lupus von Ferneres und ist nurdem Hadoardus unterlegen (Schwenke, Philol. Supplem. 5, 399), der aberseine Zitate in christlichem Sinne korrigiert hat, was Sedulius nicht tat.Zum Werte der Cicerozitate s. Traube S. 367 f. 7. Auszüge aus Lactanz'instit. div., s. Klein S. 92 n (solche auch in dem von Sedulius geschriebenengriechischen Psalter, s. Brandt, Corp. SS. eccl. lat. 19 p. CIVff.). 8. Bruch-stücke aus Rufinus Antiochenus, s. Klein S. 93 f. (von Keil, GL. 6, 554 nichtbenutzt). 9. Auszüge aus Frontin, s. Klein S. 87—91. 10. Auszüge aus denSS. historiae Augustae, s. Klein S. 95 ff. und Mommsen, Herrn. 13, 298.11. Große Sammlung von Sentenzen in 27 Kapiteln, s. Klein S. 100 ff. und103 ff. Wichtig sind hier besonders der sog. Caecilius Baibus in der Ge-stalt (p l ) (so auch in Heirics Exzerpten nach den Diktaten des Iren Elias),Sprüche des Publilius Syrus in der Fassung 2", Exzerpte aus PorphyriosKommentar zu Horaz 2 ) (s. Klein S. 114), aus Terenz, Aurelius Victor, Cicero.Seneca und Charisius. Die Erhaltung des letzteren Autors ist überhaupt wohlnur den Iren zu verdanken, sie steht in der engsten Beziehung zu Bobbio(s. Becker 32,434 = Zentrbl. f. Biblw. 5, 357 N. 1 = Neap. Mus. Borb. IV. A. 8s. VII — VIII), vgl. Helhnann S. 100. — Über die Art der Verarbeitung und
') Aber vermehrt durch Publiliussprüche(s. Traube S. 70) mit der RandbezeichnungSen(eca). Vielleicht stehen diese Sentenzenin Zusammenhang mit dem in Bobbio s. XI(B. 32,433) erwähnten Werk Librum I de sen-
tentiis philosophorum.
2 ) Das Werk ist im Mittelalter sehr seltengewesen; ich kenne nur eine Aufschrift ausTJrbino vor 1482 (Giorn. stör. d. Arch. Tose. 7,146 N. 549).
Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. IX, 2. 21