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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

günstiges Verhältnis. Ebenso hatte er sich bald nach seiner Ankunft inLüttich dem mächtigen Markgrafen Eberhard von Friaul genähert undspäter wußte er auch die Gunst Hildvins von Köln sowie seines Nach-folgers Gunthar zu gewinnen, der ihn nach 850 an seinen Hof zog. Aberauch mit Abt Hatto von Fulda und den Bischöfen Lantbert von Münsterund Adventius von Metz knüpfte er Verbindungen an. Diese fränkischenGroßen kamen dem bedeutenden Gelehrten und eleganten, geschmeidigenDichter wohlwollend entgegen, der sie unausgesetzt um Zeichen ihrer Gunstbat. Leider läßt sich sein Leben nur bis 858 verfolgen, seitdem ist erverschwunden. Auch lassen sich die meisten seiner Prosawerke — in derprofanen wie in der kirchlichen Literatur hat er sich gleichmäßig aus-gezeichnet — zeitlich nicht mehr feststellen. Jedenfalls war er ein Menschvon rastloser Arbeit, der sich nicht scheute, auf die alten und echten Quellenzurückzugehen und der auch im Griechischen wohl bewandert war. So ister in dieser Beziehung wohl mit seinem berühmten Landsmann JohannesEriugena zu vergleichen. Auf der andern Seite freilich erscheint er inseinen Gedichten als ein beständiger Erhascher der Gunst der Großen.Er weiß, daß er fordern kann, aber der Ton in seinen Bitten ist oft desGelehrten nicht würdig und erinnert häufig an die Art Fortunats, der jain seinen poetischen Billets an Radegunde einen sehr materiellen Stand-punkt vertreten hatte. Mehrfach gedenkt Sedulius seiner Landsleute, dienach ihm auf den Kontinent gelangt waren, nämlich des Dermoth, Fergus,Blandus, Marcus und Beuchell; sie haben mehrfach ihre Spuren hinter-lassen. An Lüttich aber knüpft sich die Überlieferung von Sedulius' Werken,von hier aus wurden sie abgeschrieben und hier hatte man im 12. Jahr-hundert noch so viel Interesse an ihnen, daß man die Sammlung seinerGedichte und sein Kollektaneum wieder umschrieb. Eine weite Verbreitunghaben seine Werke allerdings nicht erlangt, die meisten unter ihnen warennur auf einen engen Kreis berechnet.

Zeugnisse. Ueber das Leben des Sedulius s. besonders L.Traube, Abhdl. d. bay.Akad. 19, 339 ff. Zum Namen und zur Persönlichkeit Traube S. 339 f.; 1 ) H. Hagen (Verh.d. 39. Vers, deutsch. Philol. etc. S. 257 und Anecd. Helv. p. LXXIX) hält fälschlich den Eu-tyckeskommentator für den bei Virgilius Maro genannten Sedulius. Ueber die von den Irenbehandelten Lieblingsschriftsteller s. Hellmann, Sedulius Scottus S. 99—106 und TraubeS. 366 ff. Traube S. 342 vermutet, daß Carm. 45—47 (Poet. lat. 3, 208—210) aus der Zeitvor der Uebersiedlung stammen. 2 ) Zur Aufnahme bei Hartgar s. Carm. 1, 39 p. 167 Per teScottigenis requies praestatur egenis und 3, 18 Sophos Scottigenos suscipe corde pio ... 23Suscepit blandus . . . temos dapsilitate sophos. Zur Gesandtschaft von 848: Annal. Bertin.848 (ed. Waitz p. 36) Unde et rex Scottorum ad Karolum pacis et amicitiae gratia legatoscum muneribus mittit, viam sibipetendi Eomam concedi deposcens. Zur Irenkolonie in Liittichs. Dümmler, Neues Archiv 13, 360 ff. Gedichte auf Ermingard Carm. 20. 21. 24; Gedichtauf Ludwig d. Deutschen Carm. 30, auf Karl d. Kahlen Carm. 12. 13. Zur Widmung desKönigsspiegels s. Hellmann a. a. O. S. 5 f. und n. 4; 3 ) daß das Kollektaneum früher ver-faßt ist, ergibt sich aus dessen starker Benutzung im Königsspiegel, s. Mommsen, Hermes13, 298 f., Traube S. 364ff., Hellmann S. 14. 92 und in den Noten zur Ausgabe S. 21 ff.Gedicht auf Hartgars Tod Carm. 17, auf den Antritt Prancos Carm. 18, vgl. 66. Gedichte

') Vgl. hierzu Mitteil. z. vaterl. Gesch. 19,359 f. (St. Gallen 1884) und Dümmler, NeuesArchiv 4. 316.

2 ) Nämlich in Carm. 45 besingt Seduliusden Annal. Bertin. 848 (ed.Waitz p. 36) er-wähnten Sieg der Iren über die Normannen. —

Vielleicht ist auch die Eutycheserklärung nochin Irland geschrieben, s. Traube S. 357.

3 ) Traube S. 341 läßt es unbestimmt,ob die Widmung an Lothar I. oder II. er-folgt ist.