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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Walahfrid Strabo.

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durch und weiß jede in allegorischem Sinne ungünstig für Theoderich zudeuten, jedoch ohne daß vor den Augen des Lesers ein klares Bild desKunstwerkes entstehen könnte. Der Dichter hat schließlich genug desTadels gehört und sehnt sich nach Lob. Und nun bricht Scintilla in dasbegeistertste Lob Kaiser Ludwigs aus, der nur mit Moses zu vergleichensei und die herrlichsten Bauten aufgeführt habe und in seinem Parke diewilden Tiere gezähmt halte. Bis hierher wird der eklogenartige Charakterdes Gedichts in der Wechselrede gewahrt, von Vs. 128 an aber scheint derDichter allein zu sprechen und sich zugleich im Namen der Scintilla an denKaiser zu wenden. Zunächst allerdings tritt der erzählende Ton ein: Esertönt aus mehreren Instrumenten eine reizvolle Musik und die Halle er-klingt unter den Schritten eines königlichen Zuges. Voran schreitet derKaiser, gefolgt von seinen Söhnen Lothar und Ludwig und von der schönenJudith, die außerordentliches Lob erhält. Ihr folgen der Erzkapellan Hildvin,Einhart und der Kapellan Grimald, der mit dem Namen Homer angeredetwird und dessen Gedichte auf die großen Helden der Zeit gerühmt werden.Da fragt der Kaiser den Dichter, woher er sei und auf wessen Geheiß erhier sei; die Antwort erfolgt aus schüchternem Munde: es sei ihm genug,einmal gesehen zu haben, und er wünsche dem Kaiser den Segen desHimmels, sowie den Gehorsam aller seiner entlegenen Untertanen. Mit derBemerkung, da Theoderich der törichte Veranlasser seiner Verse sei, somüßten diese viele Fehler enthalten, schließt das Gedicht, das am Endewieder in dem Ton der Ekloge ausgeht. — Man hat das Gedicht mit Rechteine Fortsetzung der unter Karl aufblühenden Hofpoesie genannt, 1 ) es er-innert in seinem Ton zuweilen an die Ekloge Modoins; aber Ähnlichkeitmit dem Epos über Karl und Leo III. kann ich nicht entdecken, 2 ) es seidenn, daß hier wie dort die Söhne und die Gemahlin des Herrschers mitrühmenden Versen bedacht werden. Unser Gedicht ist nämlich bei weitemlebensvoller gehalten als die meisten früher betrachteten Produkte derHofpoesie, und wenn sich auch manche dunkle Stelle darin findet, manfühlt es dem Gedichte an, daß es innerlich und äußerlich Erlebtes mit-einander verbindet; es hält sich von frostigem und gemachtem Schultonvöllig fern.

Einzige Hs.: Sangall. 869 s. IX p. 143. Ausgaben: H. Grimm, Das Reiterstandbild desTheodorich zu Aachen S. 4—12 (aus Du mm ler, Ztschr. f. deutsch. Altert. 12, 461 ff. ab-gedruckt); Dümmler, PL. 2, 370. Literatur: Bock. Jahrb. d.Ver. v. Altertumsfreunden i.Rheinland Bd. 5 und 50, 1—52. H. Grimm a. a. 0. S. 12—60. v. Schlosser, Wiener SB.123. 164. Zur Kritik und zur Benutzung von Lucrez Traube, Neues Archiv 18, 664. Ebert,Ber. üb. d. Verb. d. Sachs. Ges. d.Wiss. 1878, 100 ff.

Bearbeitungen und Neuausgaben. Walahfrid hatte sein Gedicht

über den Gartenbau dem Abt Grimald von St. Gallen gewidmet, doch haben

ihn noch andre Beziehungen mit diesem Kloster verbunden. Das Leben des

Stifters hatte einst Wetti dargestellt, doch erschien den Mönchen dessen

Sprache zu roh und man wandte sich daher an Walahfrid um Überarbeitung

der Schrift. Ebenso bat ihn der gleichnamige Neffe des Abtes Gozbert 3 )

*) Siehe Ebert 2, 157.2 ) Siehe H. Grimm, Das Reiterstandbilddes Theodorich zu Aachen S. 45 und Ebert

2, 157.

3 ) Daß die Bearbeitung der Vita S. Gallinoch zu Lebzeiten des Gozbert stattfand, er-