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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
De speciebus praeteriti perfecti. Im Paris. 7530 s. VHIf. 7 1 )(Lejay, Rev. de philol. 18, 42 ff. glaubt, daß das Gedicht sozusagen unterden Augen des Paulus hier 779 aufgeschrieben ist) steht ein grammatischesGedicht, dessen ersten Teil ein Abecedarius von 23 Strophen bildet. DieStrophe zerfällt in drei Zeilen, sie bestehen aus Fünfzehnsilbern (W.Meyer 1,5,s.Münch. Sitzber. 1882, 1,81), die von Paulus schon in seinem komputistischenGedichte gebraucht wurden. Das Gedicht bringt Diomedes bei Keil, GL. 1,364—371 in Verse, s. die Noten in der Ausgabe bei Dümmler, PL. 1, 625 ff.,wo Vs. 23, 3 auch die Quelle genannt wird Diomedes sie de his locutus est.Der zweite Teil bildet die Fortsetzung und besteht aus zehn gleichartigenStrophen, doch mit dem Akrostich Paulus feci (s. W. Meyer a. a. 0. S. 81,= I, 6). Daß die Hs. aus Montecassino stammt, ist sicher, s. Bloch, NeuesArchiv 20, 256 N. 90. Zu diesen Rhythmen vgl. Neues Archiv 16, 199.Kritisches s. Huemer, Deutsche Literaturzeitung 1882, 247. Die Verfasser-schaft des Paulus bezüglich 2 ist unbestritten. K. Neff, Die Gedichte desPaulus Diaconus S. 74 f. läßt aber nur den zweiten Teil als paulinisch gelten,während er den ersten wohl mit Recht dem Peter von Pisa zuweist, derim Jahre 781 den Diomedes rhythmisch bearbeitet habe.
Auszug aus Festus. Brief an Karl MG. Ep. 4, 508 N. 11 und Waitzp. 19. Dort heißt es 22 ff. Cupiens aliquid vestris bibliothecis addere, quia expropriis perparum valeo, necessario ex alieno mutuavi. Sextus denique PompeiusBomanis studiis affatim eruditus, tarn sermonum abditorum quam etiam quarun-dam causarum origines aperiens opus snum ad viginii usque prolixa voluminaextendit; ex qua ego prolixitate .. . hoc vestrae celsitudini legendum conpendiumobtuli; in cuius Serie ... invenietis et praeeipue civitatis vestrae Bomuleae portarumviarum montium locorum tribuumque vocabula diserta repperietis, ritus praetereagentilium et consuetudlnes varias dictiones quoque poematis et historiographhfamiliäres (s. auch Festus ed. C. 0. Müller 1839 p. 1). Man sieht aus diesemWerke die Kontinuität der römischen Literatur und aus dem Briefe, daß esPaulus darauf ankam, den König Karl, den er für den rechtmäßigen Herrn vonRom hielt, über diese seine Hauptstadt aus alter Zeit genügend zu belehren.Und dazu kommt, daß er dem Könige etwas ganz Seltenes darbrachte.So verbindet sich bei ihm mit dem literarhistorischen auch ein historischesund antiquarisches Interesse, und aus diesem Grunde kann das Werk garnicht hoch genug geschätzt werden, von dessen Wert auch Paulus durch-aus überzeugt gewesen ist. Paulus bekennt in seinem Briefe, daß er selbstmanches erklärt habe, und stellt seine Arbeit durch die Worte klar (Waitzp. 19, 25) superflua quaeque et minus necessaria praetergrediens et quaedam
') Vorhergehen f. 5 b die ältesten Ex-zerpte aus Diomedes, s.Keil, GL. 1 p. XXXIV.Die Hs. gibt überhaupt die älteste üeberliefe-rung dieses Grammatikers. Ist die DatierungLejays richtig, so würde schon im Jahredarauf die älteste Gesamtkopie des Werkesdurch Adam (Abt von Masmünster) (eine Ab-schrift hiervon aus Corbie steht im Paris. 7494s. IX f. 123; f. 1—122 der Text des Diomedes)zu Worms fallen, die durch die Dedikations-verse an Karl (PL. 1. 93 N. 6 Vs. 1 ff.) für 780
feststeht. Diese Abschrift steht wohl mit derUeberlieferung bei Paulus im Zusammenhangund zu ihr ist jedenfalls auch die Hs. vonSt. Riquier (B. 11,179) zu rechnen, desgleichendie von Corbie (= Paris. 7494) und St. Gallen.Da Diomedes in Bobbio fehlt, so gehört ernicht der irischen Sphäre an, sondern seineUeberlieferung wird wohl den Langobardenoder den Angelsachsen verdankt (Aldhelm undBonifaz benutzen seine Grammatik in ihrenWerken).