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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
S. 305 f. Das echte Werk, bisher nur bekannt aus Cbeltenham. 8462 s. X — XI, ist hrsgvon H. Grisar, Ztschr. f. kath. Theol. 11, 162-172 (1887): es berührt sich inhaltlich mit derangelsächsischen Vita Gregorii (nach P. Ewald, Hist. Aufsätze f. G. Waitz 8. 17 ff.), die vonF. A. Gasquet (A life of pope S. Gregory the Great, Lond. 1904) hrsg. wurde, und gibt alsodie alte angelsächsische Legende über Gregor I. wieder. Wichtig ist, daß in dem echtenText jede Andeutung über Paulus' Aufenthalt in Rom fehlt, woran noch Waitz S. 22 n. 5festhielt.
Zu der Auswahl der Gregorbriefe: Die Hs. mit Brief und Sohlufigedicht an Adalhardwar einst in St. Germain des Pres N. 858 nach Delisle, Le cab. des mscr. 2, 50, sie istheute Petropol. E. I. 7 s. VIII f. 1—40, s. Ewald, Neues Archiv 5, 246 und Registr. Gregorii(MG. Ep. 2, 2 p. XVI f.). Siehe Cipolla, Note bibliografiche etc. S. 16 und oben zu Gregor!(Registrum). Der Brief mit Gedicht bei Waitz p. 21, das Gedicht PL. 1, 62 N. 26, IL Da-mals entstanden wohl auch einige von Paulus verfaßte Homilien, s. Waitz p. 22; vgl.Bethmann S. 302 f., Cipolla 8. 12 ff., wo die Hss. von Montecassino aufgeführt werden.Ausg. Migne 95, 1566 (vgl. auch Tosti, Storia di Montecassino 2 2, 300). Ueber die HistoriaLangobardorum s. unten. Die Grabschrift von Hildric ist von Dahn S. 9 ff. — seine Resultatesind überhaupt meist sehr problematisch — unnütz verdächtigt worden, während BethmannS. 250, Waitz p. 22 f. und Dum ml er p. 85 sie jedenfalls mit Recht für wertvoll halten.Sie steht im Casin. 353 s. XI f. 286, hrsg. von Waitz p. 23 und PL. 1, 85 und enthält dasAkrostichon Paulus laevita doctor praeclarus et insons. G. Calligari (Arch. stör. Lornb.Ser. 3 tom. 12, 207 ff.) bespricht unter neuem Abdruck das Epitaph ausführlich. Die Echt-heit geht ihm aus dem Mangel an sagenhaftem Bericht hervor. Ueber die heutige Forschungzum Leben des Paulus Diaconus handelt E. Menghini, Boll. d. soc. Pavese di stör, patiia
4, 15 ff. 231 ff. 313 ff.
Historia Romana. 1 ) Über die Veranlassung des Werkes s. oben.Paulus versah zunächst die zehn Bücher Eutrops mit Zusätzen und gabdem Werkchen einen neuen Eingang und dann verfaßte er eine Fortsetzung,die durchaus das Gepräge der früheren Darstellung besitzt. Die Art derZusammenstellung des Stoffes hat G. Bauch (Über d. Hist. Rom. des PaulusDiaconus, Gott. 1873) untersucht, ihm folgten H. Droysen (Forschungen z.dtsch. Gesch. 15, 167—180) und Th. Mommsen (Neues Archiv 5, 53). Danachbesteht die Erzählung in Lib. 1—10 aus Eutrop, vermehrt um Zusätze ausder Chronik des Hieronymus, aus Orosius, aus Jordanis' Romana, aus derEpitome des Aurelius Victor und aus der Origo gentis Romanae. 2 ) Hierzukommen kleinere Stücke aus Frontin, aber nicht nur aus Lib. 4, sondernaus dem ganzen Werke, wie Wölfflin (Hermes 9, 91) gegen Bauch S. 13und 67 nachwies (vgl. ed. Droysen p. 27 und 30), endlich aus Solin 1, 106 f.und 109 (ed. Dr. p. 17 und 57). Die Fortsetzung des Paulus Lib. 11-16fügt zu diesen Quellen hinzu Jordanis' Getica, die Chronik Prospers, denLiber pontificalis, des Ennodius vita Epiphanii, des Eugippius vita Severini,die Chronik Isidors und die Chronik wie die Hist. eccl. von Beda. Das isteine ziemliche Quellenauswahl, aber die Art der Benutzung durch Paulusunterliegt schweren Bedenken. Er hat nämlich, wie Bauch (s. besonders
5. 27 f. 29. 37 ff.) nachwies, überaus flüchtig gearbeitet, so daß häufig ver-kehrte Tatsachen erzählt werden und das günstige Urteil Mommsens überdiese römische Geschichte nicht ganz zutreffend erscheint.
*) Ueber den Gebrauch des Wortes Ro-manus bei Paulus s. G. Calligari, Atti dell'Accad. di Torino 36, 283 ff.
2 ) Mommsen (Hermes 12,401—408) hatdie Benutzung der Origo auch für die Ein-leitung des Paulus festgestellt und erwiesen,daß dem Paulus eine vollständigere und etwas
weiter reichende Fassung vorlag als heuteim Corpus des Victor. Aus ihr machte Hiero-nymus Zusätze zur Chronik des Eusebius undsie kannte wohl auch der Verfasser der älterenLangobardenchronik, der sein Werk nach ihrbenannte (Origo gentis Langobardorum).