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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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244 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

schaft ihrer früheren Wohnsitze mit griechisch redenden Gebieten dieseSprache auch nicht ganz entbehren konnten, so erhielt sich auch in demmehr nördlich gelegenen Italien einige Kenntnis des Griechischen. Undschon war Italien nicht mehr unberührt von den Iren geblieben, in demKloster Bobbio erhob sich die geistige Hochburg der Iren auf dem Kontinentneben St. Gallen.

Wir wissen, daß Eom im 6. und 7. Jahrhundert besonders an derPeripherie des Abendlandes wichtige Verbindungen angeknüpft hatte. Zu-nächst waren es die Iren gewesen, die die Autorität der römischen Kircheanerkannten, obwohl sie in ihren Klöstern mehrere Besonderheiten bei-behielten und sich namentlich nicht der römischen Osterberechnung fügenwollten. Sie waren frühzeitig nach Britannien gegangen und hatten hierKlöster gegründet, und die südbritischen Mönche hatten sich vor den siebedrängenden Angelsachsen nach dem Nordwesten Galliens geflüchtet.Bald aber waren die Iren auch auf den Kontinent gewandert und hinter-ließen hier in den Klöstern Luxeuil, Bobbio und St. Gallen Stiftungen vonhervorragender Wichtigkeit. Kurz vorher hatte Gregor I. mit der unmittel-baren Mission in den Reichen der Angelsachsen begonnen, und irischeGelehrsamkeit, Zuzug von einigen hervorragenden Griechen und die Empfäng-lichkeit der Angelsachsen für christliche wie profane Literatur bewirktenfrühzeitig eine hohe geistige Blüte in den neuen Klöstern Englands. Aberauch betreffs der Reisen auf den Kontinent zu Missionszwecken wurdendie Angelsachsen gelehrige Schüler der Iren. Bald überflügelten sie ihreLehrmeister, und als Bonifaz im Frankenreiche erschien, wurde sein großesOrganisationstalent einerseits die Ursache zum Beginn christlicher Kulturin Ostfranken und andrerseits zum Hebel für eine umfassende Reform derKirche in Westfranken. Da Rom, das in jener Zeit im Frankenreiche fastmachtlos war, fast ausnahmslos alle Verfügungen des bedeutenden Mannesbilligte, so wurde das Lebenswerk von Bonifaz der Ausgangspunkt für dieenge Verbindung des Frankenreichs mit dem Papst und der Kurie, obwohlPippin zu dem letzten, entscheidenden Schritt, der ein neues Königs-geschlecht auf den Thron brachte, sich der Person des Bonifaz als Ge-sandten nach Rom nicht bedient hat. Aber die Salbung des neuen Königsim Jahre 751 durch Bonifaz bedeutet doch nichts andres als den Abschlußdes gelungenen Lebenswerkes des angelsächsischen Missionars. Das sindfreilich nur äußere Züge, aber der Christianisierung von Ostfranken folgtedie Gründung von Klöstern und Bistümern, der kirchlichen Einteilung undStiftung folgte die Schule, dieser die Wissenschaft. Allerdings gehörtenso selten günstige Verhältnisse dazu, wie sie nun eintraten, um in diesenNeugründungen, die unausgesetzt Zuzug von England erhielten, ein regeswissenschaftliches und literarisches Leben erblühen zu lassen. Das werdenwir alsbald näher betrachten.

Nicht so günstig lagen die Dinge im Südwesten Europas und in demzu gleichem Kulturzentrum gehörigen Nordafrika. Um mit letzterem an-zufangen, so sei daran erinnert, daß auch nach der Vernichtung des Vandalen-reiches die Dichtung und die sonstige Literatur blühte; allerdings mit demreichen literarischen Leben und Treiben am vandalischen Königshofe, das