Aethicus cosmographus.
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der Franken verbindet. Der erstaunte Leser wird dann am Schluß des Werkeswieder plötzlich nach Asien versetzt, wo Aethicus die Reste der ArcheNoahs zu suchen geht, statt dessen aber in die Nähe des Paradieses ge-langt und seine Wanderung von Indien durch Vorderasien nach Ägyptenund Libyen fortsetzt. Den Schluß des Werkes bildet die graphische Dar-stellung und Benennung des angeblich von Aethicus erfundenen Alphabets.Diese große Mystifikation macht zuweilen beinahe den Eindruck, alshabe der Verfasser die aus seinen Hauptquellen Isidor und Solin 1 ) (?) (dazuJustin 2 ) und Orosius) 3 ) gefertigten Auszüge bunt durcheinandergeworfenund in voller Willkür das einzelne miteinander verbunden. Läßt schonder Faden der ganzen Erzählung darauf schließen, daß Aethicus sich anein ganz ungebildetes und völlig unliterarisches Publikum wenden wollte,so wird dieser Eindruck noch erhöht durch die Unmasse von Sagen, Fabelnund platten Erfindungen. 4 ) Es ist unglaublich, welche Menge von UnsinnAethicus auftischt, und das ist nur aus dem Charakter der Zeit erklärbar,in der er gelebt hat. Die frühen Zeiten des Mittelalters dachten freilichanders darüber, denn das Werk stand bis ins 11. Jahrhundert in hohemAnsehen.
Portleben, Handschriften, Ausgaben. Ueber Benutzung durch den sog. Frede-garius und den Liber hist. Francorum s. oben. Weiter läßt sich das Werk in einer Hs. ver-folgen, die 754 im Frankenreich geschrieben wurde, wie eine Abschrift von Schedel imMonac. 901 beweist, die entweder von diesem Exemplar selbst oder mittelbar genommenwurde; im Monac. 901 f. 168 heifit es nämlich ,scripsi ego Hartmannns Schedel . . . ex libroveteri sumpto ex bibliotheca cenobii sancti Emerami Batispone . . . Fuit autem Über vetusscripto tercio anno regnante Pipino filio Karolo rege Francorum hoc est annus dominiDCCLIIII a nativitate Christi.'") Der alte Katalog von St. Emmeram (Becker 42, 468) auss. X führt den .Liber Ethici' auf, und diese Hs. ist jedenfalls identisch mit der im J. 1347(Zentralbl. f. Biblwes. 20, 10) 117 genannten Item Ieronimus de cosmographia. So ist eswahrscheinlich, daß diese alte Regensburger Hs. die von Schedel im J. 1483 benutzte ist.Von Gallien 6 ) aus gelangte das Werk nach Germanien und Italien, denn es begegnet s. IXin den Katalogen von St. Riquier, von Reichenau und Murbach, Lorsch, St. Gallen, Fuldaund bei Eberhard von Friaul; benutzt wurde es zu jener Zeit in West- wie in Ostfranken.Denn Hraban bringt das am Ende stehende angebliche Alphabet des Aethicus,') und derAnon. Leidensis (de situ orbis) kompiliert p. 34 ff. (ed. Manitius) mehrere Stücke. 8 ) Auchhaben sich viele Hss. aus s. IX erhalten, denn über dies Jahrhundert geht wohl keine hin-aus (s. unten). Im 10. Jahrh. befand sich das Werk in St. Emmeram zu Regensburg, undvielleicht bezieht sich der Scholiast zu Gesta Berengarii 1, 16 (PL. 4, 358 adn.) auf eineStelle p. 77, wie v. Winterfeld notiert hat; daß es aber von Flodoard in Reims (Hist. Rem.1,1. MGH. SS. 13, 413) und von Heriger in Lüttich (Gesta epp. Leod. c. 41. MGH. SS. 7,181, 14 ff.) benutzt sein soll, bezieht sich auf eine andere Kosmographie, die unter Aethicus'
') Wuttkep.LXVIII. Roth 1855 S. 102.Dazup.ll,14Sol. 52.55;p. 68, 8 f., Sol.7,13.
2 ) P. Rühl, Die Verbreitung des Justinim Mittelalter S. 6. Roth 1855 S. 102.
8 ) Roth 1855 S. 102. Ueber den Libergenerationum des Hippolytus als Quelle s.v. Gutschmid S. 421.
4 ) Ueber den Zweck der Andichtung desVaterlands Istrien s. v. Gutschmid a. a. O.S. 420.
5 ) Vgl. Kunstmann a. a. O. S. 260; dochist Kunstmanns Annahme, daß der Guelfer-bytanus die von Schedel benutzte Vorlagedarstelle, kaum richtig, denn die vonWuttkep. LXXXVIII aus dem Guelf. abgedrucktenWorte gehören dem Humanisten selbst an.
6 ) Vielleicht versteht auch Erzb. Koaenain einem an Lul von Mainz gerichteten Briefeunter den libros cosmografiorum den Aethicus,s. MG. Ep. 3, 413, 3 ff. N. 124.
7 ) Hrab. de inventione linguarum (ed. Co-lon. 1626) 6, 333 Litteras etiam Aethici Philo-sophi Cosmographi natione Scgthica nobili pro-sapia invenimus qiios venerabilis Hieronymuspresbyter ad nos usque cum suis dictis ex-planando perduxit.
8 ) Es ist nicht leicht zu sagen, nachwelcher Ueberlieferung, da die Ausgaben vond'A v e z a c und von W u 11 k e textkritischunvollkommen sind, und der Anonymus sichkleine Aenderungen gestattet. Jedenfalls istder Text C und L nahestehend.