184 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
steht, und dies ist mit der gewöhnlichen Bezeichnung Instructio gleich-zusetzen, die sich in St. Gallen s. IX (B. 22, 230) findet Item eiusdem (seil.Columbani) instructio de fide et alia nonnulla in vol. 1 (wohl = Sangall. 273s. IX). Von den dreizehn Instructiones. die uns hier, wie auch die Regula,nicht interessieren, läßt 0. Seebass (Zeitschr. f. Kirchengesch. 13, 513ff.)nur 3 und 11 gelten, während er die andern einem Schüler des Faustusvon Riez beilegt.
Die sieben Briefe Columbans sind hier weniger wegen ihres sach-lichen Inhalts, sondern mehr deswegen zu behandeln, da sich aus ihnenLiteraturkenntnisse ihres Schreibers rekonstruieren lassen; der sechste Briefan Bonifaz IV. hat aber wahrscheinlich nach den Untersuchungen von0. Seebass (Neues Archiv 18. 257. Zeitschr. f. Kirchengesch. 14, 93) als un-echt auszuscheiden. 1 ) Die drei ersten Briefe stehen in engem Zusammen-hang mit der irischen Osterfeier und dem Widerstände der gallischenBischöfe hiergegen. Aus dem zweiten aber ergibt sich, daß diese von denBischöfen begonnene Streitliteratur viel umfangreicher war, als sie nochvorliegt, ep. 2 (Epist. 3, 162, 13) alioquin quod Uli sentiunt de Pascha, sanetopapae per tres tomos (= Briefe) 2 ) innotui et adhuc saneto fratri Arigiobrevi libello hoc idem scribere praesumpsi. Der Ausdruck in diesen Briefenverrät völlige Anlehnung an die damalige Sprache der Kirche, besondersda sie reich mit Bibelstellen durchsetzt sind. Nur selten zeigt sich hierund da eine Abweichung, aus der sich Kenntnis des Vergil, Horaz undPrudentius ergibt. 3 ) Sonst läßt sich Bekanntschaft mit Gildas 4 ) (ep. 1p. 158, 36) und mit einigen Werken Gregors des Großen (ep. 1 p. 159, 24 ff.;ep. 2 p. 163, 35) ermitteln. An einer Stelle (ep. 1 p. 159, 29 ff.) scheint es,daß Columban den Gregor zur Erklärung des Hohenliedes und des Zachariasaufgefordert hat. Auffällig ist zuweilen die Vorliebe Columbans für sprich-wörtliche Wendungen, s. Manitius, Philol. 55, 574.
Die Gedichte Columbans, wenn sie wirklich von dem sich Columbanennenden Abte verfaßt sind, lassen einen tieferen Einblick in seine lite-rarischen Kenntnisse tun. Denn sie sind großenteils unselbständig und fastzur Centonenpoesie zu rechnen, und vielleicht aus diesem Grunde und wegenihres unbedeutenden Umfangs blieben sie von Jonas im Leben Columbansunerwähnt. 6 ) Dagegen finden wir sie s. IX in einer Aufschrift von Lorsch(B. 37, 465 metrum columbani, im Anschluß an Dracontius). und wahrschein-lich auch in Canterbury St. Augustin s. XV, wo ein libelhis (1463 über)Columbani dreimal in Verbindung mit Aldhelms Rätseln genannt wird, was
bis XI. Ueber diese Hs. wie über Taurin. G.V.38 s. Seebass, Neues Archiv 16, 247 ff.
') Der Verfasser nennt p. 180, 28 seinenBrief scribiciuncula, falls die Ueberlieferungrichtig ist.
u ) Siehe p. 162, 9 sicut in tomo respon-sionis meae, quem vobis nunc misi, licet antetriennium scriptum, indieavi. — Siehe zurChronologie der Briefe Hauck a. a. 0. I 3 , 601.
3 ) Gundlach hat in der Ausgabe Ep. 3,156—182 diese Abweichungen bemerkt, aberdie Benutzung andrer Autoren als der oben
genannten, ist nicht irgendwie sicher; be-sonders kann weder an Sallust in ep. 4 p. 166,35 noch an Seneca in ep. 7 p. 181, 27 ge-dacht werden.
4 ) Einiges Weitere s. Neues Archiv 35,654 N. 382, wo der Einfluß der Sprache derHisperica famina auf Columban erwiesenwird.
5 ) Wenn nicht die Worte Vita 1, 3 p. 69,24 multaque alia quae vel ad cantum dignavel ad docendum utilia condidit dieta auf dieseGedichte zu beziehen sind.