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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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154 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

mehreren Stellen geht hervor, daß Verecundus Kenntnisse in der natur-wissenschaftlichen Literatur besaß. So (Deut. 38 p. 37 in pulmonibus . . .ubi physici dicunt superbiam dominari), Cant. Azar. 17 p. 63 f. in der langenAuseinandersetzung über den Hirsch, wofür neben Solin. 19, 12. 13. 15. 17 f.auch Plin. nat. hist. 8, 114 und 118 benutzt ist (vgl. Cant. Ion. 9 p. 104 legephysicorum historias peritorum, Plinii Secundi, Solini aliorumque multorum),wenn man nicht eher annehmen will, daß die ganze Stelle physiologischerLiteratur entstammt. 1 ) Denn Verecundus führt Cant. Ion. 9 p. 104 dieAutorität des Iohannes Constantinopolitanus de natura bestiarum an: Quodsi naturalis belluae hvius magnitudinem velis audire, lege physicorum historiasperitorum, Plinii Secundi, Solini aliorumque multorum, in nostris autemloannem Constantinopolitanum in libro quem de natura bestiarum scripsit.Et invenies balaenam tantae latitudinis longitudinisque corpus habere utmensuram trium habeant et amplius iugerorum, ita ut cum fallendis nautisenatant super aquas, insidae ab ignorantibus existimentur. 2 ) Ausgabe vonPitra, Spicileg. Solesm. 4, 1131, vgl. p. Vff. und IX adn. 36.

De satisfactione poenitentiae. Nach Isidor (s. oben) würde derTitel De poenitentia sein, ähnlich schließt eine Berliner Abschrift desMatrit. 14, 22 Espliciunt versi penitentie (vgl. Neues Archiv 6, 316 undW. Meyer, Abh. d. bayer. Akad. 17, 431); der Duacensis hat obige Aufschrift.Das Gedicht steht im Duacensis 240 und im Matrit. 14, 22 s. X f. 7781und ist nur herausgegeben worden von Pitra. Spicileg. Solesmense4,138143;die hier fehlenden sieben (nicht acht) Schlußverse veröffentlichte W. Meyera. a. 0. S. 431 n. 1. Es besteht danach aus 242 Hexametern und beginntmit der Paraphrase von Jerem. 9, 1, mit welcher auch im späteren Mittel-alter mehrere Werke anfangen. In der tiefsten Zerknirschung seines Herzenswendet sich der Dichter an Gott und erbittet dessen Gnade. Der Ton desganzen Gedichts ist jammervoll und rührend, und es enthält Stellen vongroßer Schönheit und hinreißender Kraft, so daß es zuweilen an die Psalmenerinnert, mit denen es auch im Wortlaut mehrfach übereinkommt. Dieanschauliche Schilderung des jüngsten Gerichts scheint die einzigen Be-rührungspunkte mit der früheren christlichen Poesie zu bieten, denn dieVerse 142188 gemahnen öfters an Commodiani Apolog. 9991034 undInstr. 2, 2 und mit Vs. 147 f. 151. 188 ist Prudent. Hamart. 828. 838. 834.842 zu vergleichen. Außerdem finden sich häufig Anklänge an Vergil, aberweitere Beziehungen zur älteren Literatur sind mir nicht aufgefallen. DieProsodie ist fehlerhaft. Vgl. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poes. S. 404ff.

Freilich sind die Fassungen im latei- ! Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen 3,2nischen wie griechischen Physiologus wesent- (1850), 550 ff.) viel älter ist, als F. Laudiert

lieh anders, und das gleiche gilt von der alle-gorischen Bedeutung des Hirsches bei JohannesChrysost. de nat. best. (Arch. f. Kunde österr.Geschichtsquellen 1850, 2, 568).

*) Vgl. den Physiol. bei Pitra, Spicil.Solesm. 3, 352 N. 19 ,F Alh] cpvatg rov zjjro»;'fteya zraw ö'fioiör soti vyofo' dyvoovvreg övv 01radrai Sii'ovai TiloTa avrcöv dg avxö rbg dgvfjaov. Aus der Nennung bei Verecundusergibt sich, daß das Werk (hrsg. H e i d e r,

(Geschichte des Phys. S. 92 ff.) annimmt. Auchwird Johannes Chrysostomus schon genanntim Verzeichnis von Murbach s. IX und dieSchrift steht im Monac. 19417 s. IX. Freilichsteht bei Johannes nichts vom Walfisch, undvon der genaueren Größenangabe des Vere-cundus findet sich in der physiologischen Li-teratur überhaupt nichts, s. Laudiert a. a. O.S. 20 b; sie ist wohl der biblischen Stelle überden Leviathan lob 41 nachgebildet.