144 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
nach Ostfranken zurückkehrte, suchte er Karl Martell auf, der ihm aucheinen Schutzbrief erteilte, nachdem der Bischof sich der Macht des Herzogsunterworfen hatte; in dem Schutzbrief aber steht nichts vom Papste undKarl Martell scheint also Gregors Einmischung tatsächlich abgelehnt zuhaben. Nachdem dann die kirchliche Organisation in Hessen beendet wurde,nahm sie Bonifatius in Thüringen von neuem auf und unterdrückte allenWiderstand, den irische Missionare ihm entgegensetzten, indem er hierbeistets Unterstützung vom Papste erhielt. Nun erstand auch das erste Klosterin Thüringen, Ohrdruff. Diese organisatorischen Arbeiten, zu denen stetsRat und Begutachtung auf brieflichem Wege in Rom geholt wurde, ließendem vielbeschäftigten Bischof so wenig Zeit, daß er damals nicht die Zeitfand, eine von der Äbtissin Bugga*) erbetene und ihr jedenfalls versprochneSentenzensammlung fertigzustellen, und es ist anzunehmen, daß die Beendungder Arbeit überhaupt unterblieb. Als dann Gregor IL im Jahre 731 gestorbenwar, setzte sich Bonifaz zum neuen Papst Gregor III. alsbald in Beziehungund dieser erhob ihn. um ihm seine Stellung zu erleichtern, im folgendenJahre zum Erzbischof. Da aber an eine Diözesaneinteilung von Bonifaz'Machtbereich nocb nicht zu denken war, so erbat dieser Beistand undHilfe von seinen englischen Freunden, mit denen er in steter Korrespondenzgeblieben war. Er hatte die Freude, sie bald in Mehrzahl auf dem Kontinentzu sehen, wo sie sich ihm zur Verfügung stellten. Es waren u. a. Bonifaz'Schüler Lul, sein späterer Nachfolger, der spätere Presbyter Denehard, dernachmalige Würzburger Bischof Burchard, Bonifaz' Verwandte Lioba oderLeobgyth, unter Eadburg auf Thanet gebildet, ferner Liobas VerwandteThekla und Luis Tante Chunihilt. Diese Hilfskräfte ermöglichten Bonifazeine intensivere Arbeit in seinem Verwaltungsbereiche, als sie bisher statt-finden konnte; außer dem Mönchskloster in Hessen, das zu Fritzlar ge-gründet wurde, erhoben sich jetzt Nonnenklöster in Tauberbischofsheim,in Kitzingen und Ochsenfurt. Und die hiesigen Kirchen und Klöster wurden,im Gegensatz zu so vielen Stiftungen im linksrheinischen Frankenreiche,die Sitze von Bildung und Wissenschaft. War ja doch Bonifaz stets daraufbedacht, sich aus der Heimat Bücher schicken zu lassen, und seine ausEngland gekommenen Freunde werden auch mancherlei Schriften aus derHeimat ins Frankenreich mitgebracht haben, so daß die neuen Klöster auchin dieser Beziehung gut ausgestattet wurden; außerdem werden Chunihiltund ihre Tochter Berthgit als Lehrerinnen in Thüringen genannt. Nachdemdiese Gründungen gesichert waren, wandte sich Bonifaz nach Bayern, abererst nach einer neuen Romreise (738) gewann er hier und in dem benach-barten Alamannien Einfluß. Durch die Unterstützung, die er vom Bayern-herzog Odilo erhielt, gelang es ihm, Bistümer in Passau, Regensburg, Salz-burg und Freising unter mehrfacher Anlehnung an schon bestehende Klösterzu begründen und mehrere neue Klöster im Lande anzulegen. Und balddarauf entstanden in Hessen und Thüringen wahrscheinlich im Einverständnismit Karl Martell Bistümer in Buraburg bei Fritzlar, in Würzburg und inErfurt. Das waren zurzeit allerdings noch bescheidene Gründungen und
') Auch Eadburga genannt, die Aebtissin des Marienklosters auf Thanet.