126 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Aeneas scheint bei der Abfassung der Epitomae schon tot gewesenzu sein, wenigstens nennt ihn Virgil p. 49, 1 ille beatus Aeneas, womitallerdings die Worte p. 34, 9 quae propter illius longam absentiam sine lacrimisfari hon possum zu kontrastieren scheinen. Virgil muß längere Zeit mitihm zusammengelebt haben, da er sich oft auf mündliche Belehrung durchseinen Lehrer beruft. 1 ) Er folgt ihm auch sonst in vielen grammatischenLehren 2 ) und es scheint daher, als habe Aeneas ein grammatisches Werkverfaßt, das sein Schüler reichlich benutzte. Manche Zitate aber scheinenaus anderen Schriften des Lehrers zu stammen, wie p. 69, 3. 72, 17. 154, 1.165, 24. Virgil erwähnt p. 92, 13, daß Aeneas die Schriften der drei Lucaneabgeschrieben habe quorum libros meditante (?) notaria arte in lucidumdiscripcionem transtulit. Sonst führt er an p. 26, 5 zehn Bücher de nomine,p. 81, 29 eine historia belli Mitradatici, p. 161,8 einen über de omnium artiumvirtute und wohl eine Lobrede auf Aeneas Troianus bellator p. 127, 30.
Cicero scheint früher als Virgil gelebt zu haben. Erwähnt wird seinVater Sarricius p. 123, 11 Sarricius quoque Ciceronis pater: quid, inquid)ego vita carpitur, hoc est dicere nostrum vel nostri vita. Er selbst scheintsich durch Reden hervorgetan zu haben, denn die Anführungen Virgilsp. 27, 7; 32, 21; 36, 1; 61, 4; 73, 12; 85,17; 116,13 und 157,19 sind wohlalle aus Reden entnommen, die Cicero in der oben gekennzeichneten Ver-einigung gehalten hat. Wahrscheinlich hat diesem Redner das Talent fürden öffentlichen Vortrag zu seinem (akademischen) Namen verholfen, undder Ruhm des großen Namensvetters wird wohl stark das angebliche Sprich-wort beeinflußt haben, das Virgil p. 116,15 erwähnt hie Cicero inventuosissimusest in omni arte ut in proverbium veniret aput omnes philosophiae auetores:non legit qui non legit Ciceronem. Er war jedenfalls Verfasser eines Werkesüber Grammatik nach p. 125, 21 ff. und Virgil folgt öfters seinen gramma-tischen Lehren. 3 ) Aber auch außerdem werden seine Schriften mehrfachvon Virgil benutzt, nämlich p. 46,15. 59, 3. 120, 12. Jedenfalls bildete Ciceroneben Aeneas die Hauptquelle für Virgils grammatische Werke; doch istvon beiden Autoren nichts weiter bekannt geworden, da sie nur von Virgilbenutzt werden.
Die Sprache Virgils zeigt große Seltsamkeiten, doch läßt sich erkennen,daß viele volkstümliche Elemente in ihr vertreten sind; so finden mancheBerührungen mit der Sprache Gregors von Tours und des Aethicus Isterstatt. Daß die vielfachen von Virgil zitierten Verse rhythmischen undnicht metrischen 4 ) Baues sind, hat W.Meyer (Münch. SB. philos.phil.hist. Cl.1882 S. 74ff.) festgestellt, 5 ) der Alliteration, Reim und Hiatus in ihnenhervorhob; doch hat Stowasser (Stolones latini p. XXVII f.) anknüpfend an
*) Vgl. p. 34,10. 60,14. 62,13 (Stangl I 4 ) Virgil selbst nennt metrum den Vers-
p. 45). 76, 7. 122,11. 123, 29. 143, 1. 157, 28. I fuß, fonum das Wort im Verse und pes die160.11. 166, 22. 168, 24. 176, 20. Schriftliche Silbe; vgl. p. 13,17 hü duo versus octo metra
Unterweisung durch Aeneas vgl. p. 163, 3 ff.
2 ) Vgl. p. 30,10. 33,10. 49, 4. 52,1. 54,14. 63, 8. 68, 20.
3 ) Vgl. p. 29, 7. 52,1. 77,12. 31. 79, 3. 5.17.27. 128,25.
habent, primum enitn metrum Phoebus est se-eundum surgit et sie per cetera fona; et itaMi duo collecti sedeeim pedibus fuleiuntur.5 ) Vgl. auch über den Abschnitt De me-tris M. Roger a. a. O. S. 118 ff.