60 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Hss. und Ausgaben der Etymologiae das 38. und 39. Kapitel von Lib.V; zuweilen macht sieaber das 6. Buch aus oder wird auch zum 7. gerechnet. Von den durch Mommsen p.412bis 419 namhaft gemachten 240 Hss. der Etymologien kommen besonders in Betracht:Guelferbyt. Weissenburg. 64 s.VIII, Paris. 7530 s. IX, Einsidl. 167 s. IX. Hauptausgabe vonMommsen s. zu Chron. maiora. — Mommsens Nachweis, daß die Chron. minora Auszugaus der größeren Chronik sind, erschüttert die frühere Ansicht, daß die kleine Chronik einenMellitus zum Verfasser hat, dessen Name in der Ueberlieferung mehrfach begegnet. Sowird die Chronik genannt im Paris 7530 und die berühmte Chronikensammlung Reginbertsvon Reichenau (s. IX) zählt hinter den Werken von Eusebius. Hieronymus, Prosper, Cassiodorund Jordanis auch eine chronica Melliti auf (Becker, Catal. 10, 3), dahinter noch die ChronikBedas et chronica excerpta Isidori episcopi et chronica brevis.
Etymologiae. Dies bei Isidors Tode noch nicht beendete Werk be-gleitet Braulio (Dzialowski S. 141) mit den Worten Etymologiarum codicemnimia magnitudine distinctum ab eo titidis non libris; quem quia rogatu meofecit quamvis imperfectum ipse reliquerit, ego in viginti libros divisi. Damitstimmt Ildefons vir. ill. 9 (ib S. 140) Scripslt quoque in ultimo ad petitionemBraulionis Caesaraugustani episcopi librum Etymologiarum, quem cum multis Iannis conaretur perficere, in eius opere diem extremum visus est conclusisse.Da Braulio das Werk also hervorgerufen hatte, und Isidor es ihm widmete,so muß er die genaueste Kenntnis davon besessen haben, und es lassensich die Worte imperfectum . . . reliquerit dann unmöglich so deuten, als obnur die Einteilung in Bücher gefehlt habe. 1 ) Denn wenn Braulio sagtdistinctum ab eo titidis, so ist doch damit die Einteilung des Stoffes in dieHauptrubriken gegeben. Die Einteilung in Bücher war dann etwas rechtNebensächliches und es ist nicht glaublich, daß der Mann, der seinenverstorbenen gelehrten Freund bei der Aufzählung von dessen Werkenmit solchen Lobsprüchen bedachte, das Hauptwerk des Freundes als imper-fectum bezeichnet hätte, wenn nur die Bucheinteilung fehlte. Wohl aberkonnte und wollte Braulio das Andenken des verstorbenen Freundes durchdas Wort imperfectum schonen. Daß ein so umfängliches und aus denmannigfachsten Quellen zusammengesetztes Werk viel Zeit in Anspruchnahm, würden wir ohnehin wissen, wenn auch der Briefwechsel, den Brauliound Isidor darum führten, nicht erhalten wäre. Jedenfalls standen beideMänner schon längst im Briefwechsel miteinander. In dem frühesten anBraulio gerichteten Briefe (Epist. 2, ed. Arevalo 6, 561) erwähnt Isidor,daß er ihm gesendet habe quaternionem regularum per Maurentionem pri-micerium. In einem zweiten Briefe, der sich ebenfalls noch an den Archi-diakon Braulio wendet, wiederholt Isidor seine Bitte, er möchte ihm diesechste Dekade (nämlich der Psalmenerklärung) des heiligen Augustinsenden, und er selbst habe ihm seine Synonyma geschickt (Ep. 3, Arev. 6,562, 2) Misimus vobis Synonymorum libellum non pro kl quod alicuiusutilitatis sit, sed quia eum volueras. Dann muß Braulio den Isidor um dieAbfassung der Etymologiae gebeten haben, aber sieben Jahre lang mußte erseine Bitte wiederholen, die er in einem Briefe (Ep. 10, 3 p. 575) mit großemNachdruck anbringt Suggero sane et omnimoda supplicatione deposco ut librumetymologiarum quem iam favente domino audivimus consummatum . . . servovestro dirigere iubeatis, quia ut mihi sum conscius magna ibi ex parte servitui postulatione sudasti. Doch nach so langer Zeit wurde er ungeduldig
') SoDzialowskiS.142,8 und P. Garns, Die Kiichengeschichte von Spanien 2, 2, 466 ff.