Vorwort. VII
unbedeutende Schriftsteller waren anmerkungsweise unterzubringen. Nurdie führenden Geister, die aus den überlieferten Ideenkreisen tatsächlichNeues zu gestalten vermochten oder neu auftauchende Ideen zu beweisenoder zu widerlegen imstande waren, mußten ausführlich besprochen werden.Die Ökonomie des Ganzen hatte aber nicht nur manches aus der Theologieauszuschließen, sondern konnte, da in der letzten bis auf Justinian reichen-den Abteilung von M. Schanz der Abschluß der juristischen Literatur derRömer zu erwarten ist, die spätere, teilweise sich hier aufbauende juristischeund gesetzgebende Literatur beiseite lassen. Gehört doch dieser Zweigdes Schrifttums in der späteren Zeit streng genommen überhaupt nichtzur eigentlichen Literatur, da sich das germanische Volksrecht der Legesbarbarorum in den eroberten Provinzen als gleichberechtigt neben dasrömische Recht stellte. Sonst hätten ja schließlich auch Papstdekrete,Konzilien-und Synodalbeschlüsse, überhaupt die Instrumente des kanonischenRechts behandelt werden müssen. Aber auch sonst war auf manches zuverzichten, was nicht unter den eigentlichen Begriff der Literatur fällt,wie z. B. auf die vielfachen barbarischen Übersetzungen der Fachliteraturaus dem Griechischen, deren Alter meist nicht feststeht oder doch durchneuere Untersuchungen beträchtlich höher hinaufgerückt worden ist. Somußte auch die Berücksichtigung der meisten unbedeutenden Geschichts-werke und Heiligenleben, sowie der Mehrzahl der anonym überliefertenHymnen (und Sequenzen) unterbleiben, da hier einerseits das Werk vonWattenbach genügend unterrichtet und andrerseits jene religiöse Poesiedoch fast gänzlich auf biblischem Boden wurzelt und in ihrer erdrückendenund oft so monotonen Fülle die Grenzen einer allgemeinen literarischenDarstellung zu weit stecken würde. Um so mehr Raum konnte den eigentlichliterarischen Charakteren gewidmet werden, und dabei kam es wesentlich,darauf an, in Verbindung mit biographischem Material die innere Ent-wickelung des Schriftstellers und seiner Werke aufzuzeigen. Und zumWürdigen der Stellung des einzelnen innerhalb der allgemeinen Literaturwar neben möglichst genauer Quellenanalyse seiner Werke auch derenFortwirkung in spätere Zeiten zu verfolgen, wobei die heute so wichtiggewordene Überlieferungsfrage schon teilweise ihre Beantwortung empfängt.Der Stoff hat es mit sich gebracht, daß die einzelnen Charaktere in denAbschnitten nach ihrem Hauptwirken eingeordnet wurden, um unnütze Zer-splitterungen zu vermeiden.
In der Schreibung der Eigennamen ist der Grundsatz befolgt, daß diePersonennamen möglichst in ihrer urkundlich beglaubigten Form und nichtin moderner Ablautung wiedergegeben wurden; völlige Einheitlichkeit ließsich allerdings in dieser Beziehung nicht durchführen, da die Orthographieauch der zeitgenössischen Handschriften so verschieden ausfällt. In derSchreibung geographischer Namen hingegen sind die heutigen Formen ge-braucht, um leicht eintretende Irrtümer zu vermeiden. Der Index enthältalle Personennamen mit Ausnahme der nicht unmittelbar zur Darstellunggehörenden, minder wichtigen biblischen Namen; er soll einen schnellorientierenden Überblick über den Zusammenhang der mittelalterlichenmit der antiken Literatur geben.