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15. Rechtssymbole. — Wir freuen uns, dieses Buch miteiner Notiz über das Werk eines jungen genialen Schriftstellers,Guglielmo Ferrero, schliessen zu können, das in der Welt der Ge-schichtsforscher und der Juristen einen grossen Widerhall erweckenwird, da es eine der wichtigsten und noch am wenigsten erforschtenSeiten der menschlichen Geschichte und Psychologie behandelt. Aus-gehend von den juristischen Ceremonien (den Gerichtsceremonien)der Urvölker, die so merkwürdig sind und den Rechtshistorikernschon so viel zu schaffen gemacht haben, während sie doch eigent-lich nur rohere Formen unserer Dokumente darstellen, wie sie inZeiten niedriger Kultur und tieferstehender socialer Entwicklungentstehen konnten, studiert der Autor den Ursprung und die Ent-wicklung der Zeichen, die der Mensch angewandt, um seine Ge-danken und seine Gefühle auf vielen Gebieten seiner Thätigkeit aus-zudrücken: im Reckt, in der Politik, in der Religion, in der Schrift,in der Kunst. Die letzte Genesis beruht in dem Bedürfnis, dassein Eindruck einen schlummernden Bewusstseinszustand (Idee, Gefühl)erwecke, mit welchem er zuerst verbunden war; ihr Entwicklungs-grad hängt von der grösseren oder geringeren Zahl von Ideen ab,die das Individuum mit dem Zeichen oder dem Symbol in Ver-bindung bringt. — Darauf geht der Autor die Irrtümer durch, zuderen Quelle durch eine Reihe von Vorgängen das Symbol wird,teils dadurch, dass man das Symbol falsch interpretiert, teils dadurch,dass man es mit der Sache selbst verwechselt, die es darstellen soll.
Im Verlauf dieser Forschung findet der Autor, nachdem ernoch auf den Atavismus und die Pathologie des Symbols einigerasche Streiflichter geworfen, dass viele juristische Ideen und vieleRegeln des Gerichtsverfahrens, die heute noch in Kraft sind, ja alsHeiligtümer verehrt werden, im Grunde genommen nichts anderessind als eine ähnliche Verwechslung zwischen dem Symbol und derSache selber.
16. Anwendung der Anthropologie auf die bildendeKunst. — Leförts Ernte von auf dem Gebiet der bildendenKunst gesammelten Beweisen für den Verbrechertypus mehrt sichtäglich. Von Brüssel erhalten wir vier neue Dokumente, die demPinsel des genialen Wiertz entstammen. Bei zwei Verbrechernauf dem Schaffot, über deren Schultern schon das Beil der Ge-rechtigkeit schwebt, ist der Typus beinahe vollständig, bei den beidenandern, wo das Beil schon gefallen, das Haupt schon vom Rumpfgetrennt ist (siehe Fig. 36 und 37), treten alle Linien des Verbrecher-typus scharf hervor (Bartlosigkeit, Prognathie, sehr grosse Ohrenund Jochbeine).