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Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
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2. Offenstehen des Canalis sacralis bei Verbrechern. Nach meinen gemeinsam mit Dr. Monguicli 1 ) an 59 Verbrecher-skeletten vorgenommenen Untersuchungen ergab sich bei 18 d. h.bei 37 °/ 0 unvollständige Schliessung des Kanals (bei 12 war erbis zum dritten, bei 6 bis zum zweiten Sakralwirbel offen). Dreid. h. 5 °/ 0 zeigten den Sakralkanal vollständig offen. Im ganzenwar er also in 42% der Fälle unbedeckt.

Von 5 von Prof. Scarenzio präparierten Skeletten öffent-licher Dirnen hatten 5 den Sakralkanal unvollständig offen.

Dagegen fand sich bei 27 Normalen vollständiges Offenseinin einem, unvollständiges bis zum dritten Sakralwirbel in zweiFällen, im ganzen also bei 11 °/ 0 oder viermal seltener als bei denVerbrechern.

3. Fessura orbitalis inferior. Tanzi 2 ) hat die Auf-merksamkeit auf die Orbitalspalte des Menschenscbädels gelenkt,der bislang noch weniger Studien gewürdigt worden.

Sie liegt ziemlich genau auf der beinahe gradlinigen Kante,welche die untere "Wandung der Orbitalpyramide von der äusserentrennt. Gegenbauer 3 ) erblickt in ihr ein Residuum der sehrstarken Kommunikation, welche bei den Fleischfressern die Schläfen-grube mit der Augenhöhle verbindet, und behauptet, dass sie sichvon den Fleischfressern aufwärts kontinuierlich und progressiv ver-engere. Ein ungarischer Anthropologe, Török 4 ), bestätigt diese Be-hauptung in seiner Monographie über die Augenhöhle der Primaten,und erblickt von den Lemuriden bis zum Menschen (ungenau) eineKeihe von unteren Orbitalspalten, deren Weite sich regelmässig ver-ringert von Species zu Species, oder wenigstens von Art zu Art.Schliesslich beschreibt Dr. Mognus 5 ) in einem in Virclwws Archiveinige Jahre vor den obengenannten Arbeiten veröffentlichten Artikelgewisse Varietäten dieser Spheno-Mascellar-Spalte, die in der Folgein viele Abhandlungen übergingen und der Ansicht, dass die Spaltein der Phylogenese einer stufenweisen Verminderung entgegengehe,eine neue Stütze boten.

Die Untersuchungen Tanzis beweisen, dass dieses evolu-tionistische Bild, nach welchem der vollkommenste Mensch das ge-ringste Minimum dieser Spalte aufzuweisen hätte, auf Irrtum be-ruht. Nach dem Studium von ungefähr 2000 Menschenschädelnund einer Prüfung von weiteren 370, an denen keine Messungen

x ) Giornale, dell' Accademia di Mediana, 1892. Arch. dipsich., XIV, III.

2 ) Tanzi, La fess. orbit. inf. Archiv, antrop. 1892, Heft 20.

3 ) Gegenbauer, Anat. 1mm, 1>" partie, 1888, pag. 210.

4 ) Török, Die Augenhöhle der Primaten, 1889.

5 ) Mognus, Die sutura zigomatica sphenoidalis, 1869, XL VIII. SieheTanzi, I c. p. 7.