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beruht, wie die Geschichte im allgemeinen auf toten Dokumenten.Von der Geschichtsschreibung entlehnt er auch den Ernst und dieAveise Beschränkung, indem er sich nur mit einer ganz einfachenHandlung begnügt und alle künstlichen und konventionellen Ver-wicklungen, an welche uns die Romanschriftsteller gewöhnt hatten,beiseite lässt, die, eben weil sie ein wenig von der Wahrheit ab-weichen, sich so leicht vervielfältigen lassen.
Aber gerade in der Bete Humaine schwimmen diese Konven-tionalismen flott oben auf, und leider nur zu oft!
So ist es zum Beispiel ein sehr sonderbarer Zufall, dass das-selbe einst als Pfand der Gattenliebe vei'schenkte Messer nach undnach bei allen Mordthaten dient, und dass fast alle verbrecherischenEntgleisungen und Selbstmorde gerade bei der Croix de Maufrasgeschehen müssen, wo Grandmorin seine ersten laseiven Attentateverübt hatte. Dass sich in dem ungemein engen Umkreis einerSekundärstation und deren nächster Umgebung eine so grosse Zahlvon Schurken zusammenfindet, ist an und für sich schon äusserstmerkwürdig; aber noch merkwürdiger ist, dass sich überdiess allejene Übelthaten noch auf jener fluchbeladenen Lokalität konzentrierenmüssen, die an und für sich schon einen so düstern Namen trägtund gleichsam dazu prädestiniert erscheint.
Dies widerstreitet dem Gesetz der Wahrheit und der Wahr-scheinlichkeit; denn die Statistik lehrt uns, dass die Zahl der Ver-brecher und der Verbrechen auf eine gegebene Zahl von so undso viel tausend Menschen und so viel Quadratmeter und Jahreziemlich stabil bleibt und sich nicht auf ein so kleines Terrain, auf sowenige Individuen — die obendrein noch alle ihren Berufsgeschäftennachgehen — und auf so kurze Zeit konzentrieren kann. DieserIrrtum ist indessen gleichsam nur ein atavistischer Rückschlag indie Art und Weise der alten Romantiker, die verhängnisvolle Ereig-nisse stets an jenen verhängnisvollen fluchbeladenen Stellen unddurch dazu prädestinierte Menschen und Waffen etc. geschehen Hessen.Auch in La Fortune des ßougon kommt ein Karabiner vor, mitdem ein Schmuggler einen Gensdarmen tötet, und den ein rebellischerEnkel wiederum gegen einen anderen Gensdarmen benützt, der seiner-seits ihn später selber tötet, so dass das Schicksal weniger an denangeerbten Instinkt als an das tote Instrument gebunden erscheint.
Doch darin liegt noch nicht der grösste Irrtum; dieser zeigtsich in der Schilderung der Personen. Zola, der die am Alkoholzugrunde gehenden Proletarier in geradezu erstaunlicher Weise undauch das Kleinbürgertum in Dorf und Stadt ziemlich gut zu schildernvermochte, hat meiner Meinung nach die Verbrecher nicht nachdem Leben studiert; gewiss nur deshalb, weil sich diese eben nichtso leicht auffinden und studieren lassen, auch im Gefängnis nicht,