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Wunderschön ist folgende Schilderung einer epileptischenHallucination Kiriloffs: ..Es giebt Augenblicke, wo man ungefährfünf bis sechs Sekunden lang die Gegenwart der ewigen Harmonienfühlt. Es ist dies weder eine irdische noch eine himmlische Er-scheinung, aber der Mensch kann sie nicht ertragen; man glaubtmit der ganzen Natur in inniger Verbindung zu sein. Ihr sagt:„Ja. das ist wahr"; ihr seid nicht bewegt, sondern freudig. Wenndieser Zustand länger als fünf Sekunden andauerte, so könnte dieSeele nicht mehr "Widerstand leisten, sie müsste vergehen. Daskommt so alle drei Tage oder jede Woche einmal über mich. AuchMahomed hatte seinen Eimer; während dieser sich leerte, ritt erdurch das Paradies, also nur wenige Sekunden lang."
Baskolnikoiu x ) (Verbrechen und Sühne) (1884) ist ein anderesMeisterstück Dostojewskis, dieses eigentlichen Kriminalanthro-pologen, der hier einen Gelegenheitsverbrecher schildert.
Raskolnikow neigt zum Wahnsinn und ist, wie er selbst ein-sieht, rachsüchtig, neidisch und selbstsüchtig. Er ist -so arm, dasser seine Studien unterbrechen muss, während seine Schwester, dieer über alles liebt, sich gegen ihre Neigung verheiratet hat, um ihnunterstützen zu können. Er hört von einer traurigen alten Pfand-verleiherin, und wie jemand ihr prophezeit, dass sie sterben werde.Da entsteht nach und nach in ihm der Entschluss, sie zu ermorden;er bereitet ein Alibi und das Mordinstrument vor und ermordetsie straflos, da ihn niemand gesehen hat. Doch ist er so sehr vonseiner That erschüttert, dass er keinerlei Vorteil davon hat. Erverbirgt das gestohlene Geld unter einem Stein. Zu gleicher Zeitsucht er Gutes zu thun. Er verbindet sich mit einer Prostituierten,die er liebt. 2 ) Ein Mörder. Swidrigailow. braucht ihm nur in dieAugen zu schauen, um ohne weiteres zu sagen: ..Ich fühle es, dassdu einer meiner Genossen bist."
Er kehrt zu verschiedenen Malen immer wieder an den That-ort zurück, in das Zimmer der Ermordeten oder wenigstens in dieStrasse, wo sie wohnte. Er fühlt, wenn auch vielleicht nichteigentliche Gewissensbisse, so doch das Bedürfnis sein Verbrechenzu bekennen, obschon sich sein ganzes Wesen dagegen auflehnt.Von einem geschickten Polizeibeamten indessen in die. Enge ge-trieben, giebt er plötzlich diesem Drange nach und legt ungefragtdas umfassendste Geständnis seines Verbrechens ab. Er erklärt,dass er unter dem Eindruck des Gedankens zum Mord geschrittensei. dass ein Napoleon auch auf den Tod eines alten Mannes oder
x ) In vorzüglicher deutscher Übersetzung von "W. Henkel, erschienenbei \V. Friedrich, Leipzig.
2 ) Das beweist, dass er kein geborener, sondern ein Gelegenheits-yerbrecher ist.