Druckschrift 
Neue Fortschritte in den Verbrecherstudien
Entstehung
Seite
306
Einzelbild herunterladen
 

306

Eine so tierische Gefühllosigkeit, wie die jenes Vatermörders,der lachend von seinem Vater sprach, ist zu ausserordentlich, alsdass sie nicht von einem bis jetzt von der "Wissenschaft noch nichterkannten organischen Fehler abhängen sollte.

Fast alle schrieen oder sprachen im Schlaf. Sie träumten vonSchimpfereien, Messern und Dolchen.Wir haben kein Herz in derBrust pflegten sie zu sagen darum schreien wir in der Nacht."

Wahnsinn. Jeder hing irgend einer ganz unmöglichen Sachenach, die merkwürdige Unruhe, die überall durchblickte, die Glut,mit der sie auf das Gelingen der undurchführbarsten Pläne hofften,das alles schien wie Wahnsinn.

Ein Sträfling verhält sich viele Jahre hindurch ganz ruhig,bis er Gruppenführer wird. Da wird er zur grössten Verwunderungseiner Vorgesetzten mit einem Mal rebellisch, begeht Kapitalver-brechen, Mordthaten u. s. w. Der Grund davon ist eine ängstlicheBethätigung der Persönlichkeit, das instinktivem Trübsinn ent-springende Verlangen, das eigene Ich zu festigen, obgleich der Ver-stand die Unmöglichkeit dieser Sache beweist. Es ist wie ein Anfallvon Epilepsie.

Eitelkeit. Manche lieben neue und auffallende Kleider, leb-haft gefärbte und mit Metall verzierte Leibröcke. Die Freude anschönen Kleidern w r ar gerade so gross wie bei den Kindern. Übrigenssind ja die Sträflinge grosse Kinder. Doch verschwanden dieseschönen Kleider manchmal am gleichen Tag schon wieder, damitsich ihr Besitzer betrinken konnte. Sobald sie ein paar Tropfengetrunken hatten, begannen sie alle Erscheinungen des Rausches zukarikieren; denn die Betrunkenheit galt bei ihnen für höchst distin-guiert und aristokratisch.

Vandalen, Mörder, die der Ostrog nicht zu zähmen vermochte,die ihre grosssprecherische Art beibehielten und zu sagen pflegten:Schaut her, ich habe sechse in die andere Welt spediert", suchtengern irgend einen gutmütigen Kerl auf, vor dem sie sich mit einergewissen decenten Würde rühmen konnten, worunter sich indessender Wunsch verbarg, ihn mit ihrer Geschichte in Staunen zu setzen.

. . . Alle blutigen Verbrecher, die ich kennen gelernt, warenausserordentlich eitel und zeigten einen sehr starken Eigendünkel,was vielleicht durch die Furcht, die sie andern einflössten und durchden theatralischen Aufputz ihres Handwerks begünstigt wurde.

Insulten, Beleidigungen. Im Schimpfen und Schmähen warensie eigentliche Virtuosen. Die Beleidigung war ein eigentlichesKampfspiel; sie gaben sich die grösste Mühe, einander mit giftigen,versteckten Phrasen zu beleidigen, die den andern wurmen mussten.