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Nachdem wir min die Kollektivform des politischen Verbrecheusuntersucht haben, gehen wir zu den eigentlichen Thätern über.
Sowohl bei den Eevolteu und in den einzelnen Episoden derRevolutionen als bei isolierten, von wenigen oder einem einzelnenunternommenen Angriffen auf die politische, rechtliche oder wirt-schaftliche Ordnung einer Nation finden sich alle jene Verbrecher-kategorien, die E. Ferri beim gemeinen Verbrechen unterscheidet.Wir finden den geborenen Verbrecher, für den die Politik nur dasäussere Kleid ist, mit dem er seine blutgierigen, wilden Instinkte zubemänteln sucht; — Marat ist dafür das berühmteste typische Bei-spiel; — wir finden den wahnsinnigen Verbrecher, bei dem dasDelikt nur eine naturnotwendige Folge seiner krankhaften Manieist: — wie Ravailiac, Clement, Sand, die alle an erblichem Mysti-cismus mit Hallucinationen litten; — wir finden den Gelegenheits-verbrecher (Robespierre) und den aus Leidenschaft, die sich beideoft von einem edlen Gefühl hinreissen lassen, das manchmal bei-nahe an Heroismus grenzt (Orsini).
Anormal oder Neurotiker sind diese politischen Verbrecheraber alle, ob sie nun wild und grausam sind, wie Marat, oder sanftund rein, wie Charlotte Corday; — und deshalb bilden sie auch einStudienobjekt des Kriminalanthropologen und des Irrenarztes.
Mancher hat sich wohl darüber gewundert, dass er in demBuche neben der Abhandlung über einen echten Verbrecher dieeines Märtyrers fand.
Diese Nachbarschaft hat vielleicht diejenigen verletzt, welcheSelbstaufopferung und Heldenmut nicht aus der speciellen orga-nischen Konstitution der betreffenden Heroen oder Märtyrer ableitenwollen Aber auch die Märtyrer sind anormale und kranke Wesen,wie die Verbrecher, ebenso wie das Genie eine Degenerations-erscheimvng ist, ähnlich dem Idiotismus. Die Wissenschaft hat dasRecht, sich mit all diesen „Ausnahmen" zu beschäftigen, dadurchwird aber weder ihr Verdienst noch ihr Ruhm geschmälert, nochwird die Verachtung oder das Mitleiden gemindert, das wir für sieempfinden.
Laster und Tugend — sagt Taine sehr hübsch — sind Pro-dukte wie Vitriol und Zucker; dies verhindert aber nicht — wie.das Vitriol seiner giftigen Wirkung wegen von allen gemieden, derZucker aber, als dem Organismus zuträglich, von allen genossenwird — dies verhindert also nicht, dass man das Laster, weil esgefährlich ist, hasst, die Tugend dagegen, die nützlich ist, liebt undbegünstigt.
Nachdem die Diagnosis der Krankheit gestellt ist, müssen auchdie Heilmittel angegeben werden; nachdem wir die Natur des poli-
Lombroso, Veibrecherstudien. 14