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10. Ergebung und Eitelkeit. — Havelock-Ellis (Thecriminell man, 1888) teilt uns merkwürdige Beobachtungen Davittsüber den sentimentalen Charakter der Verbrecher mit.
„Es ist eine höchst eigentümliche Sache — bemerkt HerrDavitt — wie wenige Individuen erklären, dass sie sich im Ge-fängnis unglücklich fühlen und wie wenige an die lange Dauer ihrerStrafzeit denken oder an die ausserordentliche Strenge derselbenoder an den Gegensatz zwischen ihrem früheren Leben in der Frei-heit und dem eines Verurteilten."
Davitt glaubt, dass diese eigenartige Ergebung in ihr Schick-sal aus einem gleichsam von der Vorsehung in die Brust des Ver-brechers gelegten Heldenmute entspringe. Es ist indessen ganzklar, dass dies nur aus der Unempfmdlichkeit des geborenen Ver-brechers hervorgeht; in der That erinnerte er sich auch nur aneinen einzigen Menschen, der während seines Aufenthaltes in Dart-moor niemals lachte. Sein Dasein schien nur ein einziger an-dauernder Schmerz zu sein. Dieser Mann Avar ein Maurer ausSuansea, der, als er eines Sonnabends ein Avenig angeheitert, abernicht betrunken nach Hause gekommen, sein Weib in Thränen auf-gelöst gefunden hatte, weil sie von einem Menschen, der in der-selben Strasse gleich gegenüber wohnte, insultiert worden Avar; daAvar er aus dem Hause gestürzt und hatte den Beleidiger mit einerZange erschlagen. Es ist klar, dass dieses Individuum, das zusieben Jahren verurteilt Avurde, Aveder ein triebmässiger noch eingeAvohnheitsmässiger Verbrecher Avar; die Stärke seiner sozialen,nicht die seiner antisozialen Triebe hatte ihn zum Verbrecher werdenlassen. Er war einfach ein Verbrecher aus leidenschaftlicher Auf-Avallung. und folglich kann sein Fall auch in keiner Weise als Aus-nahme von der allgemeinen Regel angesehen Averden.
Nach Drago (Los Hombres de fresa, 1889) ist die Eitelkeiteine der hauptsächlichsten SchAvächen der Verbrecher; diese Eitel-keit treibt sie manchmal dazu, sich selber zu denunzieren. So Avurdez. B. in Buenos-Ayres Federico Torres, der gegemvärtig mehrererMorde wegen im Zuchthaus sitzt, nur dadurch entdeckt, dass er,als er einmal Avegen einer ganz leichten polizeilichen Übertretungarretiert Avorden war, selber den Behörden (damit sie wüssten, welchein fürchterlicher Mensch vor ihnen stand) seine früheren Schand-thaten, die bis dahin unbekannt geblieben AA r aren, bekannte; unterdiesen figurierte der Mord eines Kindes, das er zu wiederholtenMalen in die Luft geworfen und auf einer Messerspitze aufgefangenhatte.