- 150 —
um mein tägliches Brot zu verdienen. — Ihr sehr ergebener Räuber-hauptmann Talbot."
„Kaum bin ich aus dem Gefängnis heraus, so will ich immerauch gleich wieder stehlen; so kommt's, dass ich immer im Gefäng-nis bin. Miglio S. Salvario."
„Ich gehe . . . vorerst grüsse ich die Freunde. Liebe Ge-nossen, ich Avill euch sagen, dass sie mich zum Tode verurteilthaben wegen zwei Morden; aber ich hoffe auf Begnadigung, undwenn ich wieder freikomme, will ich noch ein Dutzend totschlagen."
„O ihr Diebe! unser ganzes Geschäft wird durch diese Canaillenvon Richtern ruiniert. Dennoch mutig vorwärts!"
„Quajot kommt schon zum vierten Male hier herein, stets un-schuldig und rein wie schmutziges Wasser, so auch dieses Mal,wo sie ihn samt dem gestohlenen Plunder erwischt haben. ArmeDiebe!"
„Nun gilts. nicht mehr stehlen, sondern morden!"
„Obgleich ich kein Maler bin, habe ich doch dadurch grosseBerühmtheit erlangt, dass ich meinen Namen in mehr als vierzigverschiedenen Kerkern einzeichnen Hess, die gütigst mein höchstvorteilhaftes Äusseres verzeichneten."
All dies hat sicher Weder ästhetischen noch litterarischen Wert,ist aber in psychologischer, oder besser, in kriminalanthropologischerHinsicht sehr interessant. Vor allem geht daraus hervor, dass dieseVerbrecher sich vor dem Tode sozusagen gar nicht fürchten, imGegenteil, sie malen sich den Tod immer wieder vor, und es scheintihnen geradezu Vergnügen zu machen, mit dem Gedanken zu spielen,wie ich es im Kapitel Agonie meiner Palimsesti clel carcere dar-gethan habe: so zeichnet sich ein Selbstmörder im Sarge liegendvon Lichtern umgeben ab, während ein anderer sich am Eisengittererhängt abmalt und die Inschrift unter das Bild setzt:
10 SONO
UN DISGRAZIATO. IL MIO
DESTINO E DI MORIRE
IN PRIGIONE
STRANGOLATO.
(Ich bin ein armer Teufel, — und baumle einst im Kerker
ohne Zweifel).
Ein anderer zeichnet sich in folgenden Situationen ab: zuerst,wie er von zwei Schutzleuten arretiert wird, dann im Gefängnis,dann auf der Galeere, dann im Sarg mit der Inschrift: Morto (Tot.)
Im allgemeinen ist es immer die übertriebene Vorstellung deseigenen „Ich", die den Verbrecher beherrscht; sie treibt ihn, seinenwilden Impulsen Genüge zu thun und lässt ihn. gleichsam bis über