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schuftigen; doch ist schon allein das Buch J Palimsesti clel cärcere(die Gefängnisinschriften) 1 ) eine vollständige Psychologie des Ver-brechers, die zudem direkt aus seinen eigenen "Worten. Schriftenund Zeichnungen geschöpft ist. Und zwar handelt es sich hier umeine so exakte Psychologie, dass sich ihre Ergebnisse sofort prak-tisch verwerten lassen, zum Beispiel als Kriterium der Zellen-gefängnisse.
Das Eingelhaftsystem. — Wenige Monate sind es her. seitdas neue Strafgesetzbuch zustande kam. das vom Anfang bis zumEnde auf dem Einzelhaftsystem beruht. Dabei haben wohl wenigeunter den italienischen Politikern bemerkt, dass die Grundbasisfalsch war, und dass das Einzelhaftsystem, das als ein Wunder derNeuzeit angestaunt worden, - - wie so viele anderen sogenanntenEntdeckungen, die in kurzer Zeit wieder verschwinden, gleich seinenübrigen Vorgängern gänzlich missglückt und ins "Wasser gefallenwar. und wie sehr! 2 ) "Wenn die Statistiken nicht laut genug sprechenwürden, so könnten wir die klarsten Beweise dagegen aus den fol-genden merkwürdigen Kerkerpalimpsesten erbringen.
Lassen wir vorerst alle Scheusslichkeiten und Obscönitätenbeiseite, die. wie es nun herauskommt, in den Zellengefängnissenbegangen werden. Obscönitäten. an denen die Einbildungskraft derCäsaren erlahmen würde. Das aber muss der Staatsmann vor allenDingen erfahren, dass die Zellengefängnisse weit davon entfernt sind,jene völlige Isolierung des Gefangenen zu bewirken, mit welcherman in der juristischen Praxis zu rechnen pflegt. Es scheint bei-nahe, als ob vielmehr das Gegenteil der Fall sei. itnd dass hiernoch reichlichere und häufigere Kommunikationen beständen, als inder gemeinschaftlichen Haft.
In den „Palimpsesten" finden sich zwei geradezu klassischeBeweise dafür; nämlich zwei genau präcisierte Verabredungen, aneinem bestimmten Ort einen Einbruch zu begehen, also eine eigent-liche Bandenbildung; und dies alles geschieht unter den Augen derblinden Gesellschaft, die nur in um so grösserer Gefahr schwebt,je mehr sie sich auf die vermeintliche völlige Isolierung der Ge-fangenen verlässt. Betreffs der sogenannten Besserung der Sträf-linge zerstört das genannte Buch ebenfalls alle Illusionen. Manbraucht nur die merkwürdigen Zeichnungen anzuschauen, in denendie Sträflinge ihre Vergehen, wie Notzucht. Diebstahl etc. mit demgrössten Aufwand unzüchtiger Einzelheiten darzustellen pflegen undnoch ihren Namen und Zunamen darunter setzen, als ob es sich
J ) Biblioteca antropologico-giuridica, Bd. XII, 1890, mit 8 Tafeln. —Bocca, Turin.
2 ) Lombroso, Berenini, Rossi, etc., Appunti almwvo Codice Pendle.(Biblioteca antr.-giur., Bd. VI, 1889, 2. Aufl.)