2. Processus frontalis. — Dr. Penta hat den frontalen Fort-satz des Schläfenbeins in der zoologischen Stufenleiter erforscht.
Bei den Affen ist er, seiner Ansicht nach, eine Anomalie,kein stabiler, zoologischer Charakterzug; beim Gibbon zum Beispiel,findet er sich bei 125°/ 00 , wie bei den Negern und seltener als beiden Australiern. Bei vielen anderen, tiefer stehenden Species zeigtsich der processus frontalis aber mehr oder weniger inkonstant; nurbei den Negern bildete er einen ächten zoologischen Charakterzug,und zwar in Verbindung mit einer eigenen Punktion, er hat nämlichdie hintere Begrenzung der Augenhöhle zu bilden, da hier die orbi-talen Portsätze des Stirn- und Jochbeins fehlen. Wie diese v letzt-genannten Portsätze erscheinen, tritt der processus frontalis in deranimalischen Beihe zurück; aber wenn jene fehlen, so erscheint erwieder, und das ist gerade bei den Handflüglern (Chiroptera) derPall, von denen, wie es scheint, die Affen diese Anomalie geerbthaben, wie der Mensch sie wiederum von den ihm näher liegendenAffen erhalten hat.
Der processus frontalis ist demnach ein rudimentärer Cha-rakterzug. Das wird auch durch die Embryologie bestätigt, da dergenannte Forscher an 30 foetalen Schädeln des anatomischen Museumsbeobachtet hat, dass die Temporalschuppe im vierten Monat desintrauterinären Lebens unten und hinten schief ist, während sie vorneine Art von Auswuchs zeigt, der einen wahren processus frontalisdarstellt und im fünften Monat seitlich noch ausgesprochener erscheint.Im sechsten und siebenten Monat rundet sich die Temporalschuppedurch Ablagerung neuer Knochenmoleküle mehr ab, so dass sichder processus zu verwischen beginnt, bis er schliesslich unter derfortschreitenden Verknöcherung der Bänder des Schläfenbeins, wenndieser Knochen sich ausfüllt und seine dem Menschen eigene ge-bogene Form erhält, ganz verschwindet. Wir werden im 2. Kapitelsehen, wie oft sich dieser, Charakterzug bei Verbrechern und Wahn-sinnigen wiederfindet (48—50°/ 0 ) (Archivio di psichiatria, 1891,XII, S. 519).
3. Processus clinoides. — Prof. Baggi untersuchte die Ano-malien des Processus clinoides vom anatomischen, anthropologischenund pathologischen Gesichtspunkt. (Le anomalie dei jrrocessi cli-noldei dalpunto di vista anatomico, antropologico e patologico). DieseAnomalien können bestehen: 1) in einfacher Weiterentwicklung derdrei processus (anterior, medius und posterior), oder nur eines der-selben, entweder einseitig oder beidseitig oder übers Kreuz; 2) inder Vereinigung des processus anterior mit dem posterior, ohneBeteiligung des medius; 3) in der Vereinigung des processus anteriormit dem medius, mit Bildung eines Knochenwinkels, der seiner