426 ÜBER DIE BEDEUTUNG DER DEUTSCHEN FINGKENAMEN.
Zweck lag Echtermeyers Programm über Namen und sym-bolische Bedeutung der Finger bei den Griechen und Römern(Halle 1835), das aber bei dem Mittelfinger abbricht. Die Be-deutung der ganzen Hand fordert eine besondere Untersuchung,ich halte mich daher streng an meine Aufgabe *).
]. dümo **) zeigt sich bei allen deutschen Sprachstämmen,und es ist wohl nur zufällig, wenn das Wort in den erhaltenengothischen Denkmälern nicht vorkommt, dümo hat selten einenanderen Namen neben sich und heisst niemals der erste Finger,auch nicht in der lex salica und lex Rotharis, welche doch dieübrigen mit der Zahl bezeichnen: sie gebrauchen, wie allelateinisch abgefassten Gesetze der alten Deutschen, pollex, nurdass die lex salica in dem alten Text 29, 3 (Recht der salischenFranken von Waitz 1846) nach einigen Handschriften policareoder pollicaris sagt, dümo ist von dunkler Herkunft, Graffwill es im Sprachschatz 5, S. 117 von dühjan premere ableiten;das griechische dvir/sip, d. h. der von den übrigen Fingern ab-stehende, liegt fern, ebenso das lateinische pollex, man mag nundie Abstammung von pollere annehmen, die wenigstens einenguten Sinn gewährt, oder die von pollicere, die mir erzwungen
*) * Über die Finger im Allgemeinen: wie sunne und mäne, gestirne ste? wiewac erden uniberinge? wie diz halten gotes vinger dri, wisheit gewalt barmunge,dort obene und hie under? Meisner Mgb. 40". Ave Maria Ms. Hag. 3, 341".dine vingersterke halt uns vaste nü sere in risen wise. Neidhart Ms. Hag. 3,272" daz sin vinger waere gesnellet da man schimpfen sol. Ms. Hag. 3, 289 b .susä! wie die vinger müezen springen üf der sträzen über al als die höuwe-sehrecken in dem gras. Parz. 298, 26 liet ab ir ein vinger dort verlorn, dawägte ich gegen min houbet. Neidh. Ben. S. 321 die vinger müezen sin ver-lorn da mit er gezerret hat der schedelichen zar. S. 353 darnach si die vingerkiuwen. S. 350 da hat manec hendel sine vinger zuo gerüeret. *
**) » Ms. Hag. 3, 289. Neidh. Hiltebolt-verstal im einen slac, daz sinort den klingeriemen im versneit und der düme selbe vünfter üf der erden *lac d. h. die ganze Hand, giltet daz pfenwert den rehten dümen unde dazschillinc wert die hant. Schwabenspiegel 173, 6. Wie oft hast du mir nichtgesagt, du woltest den rechten Daumen geben, wenn ich keinen Kreuzer hätte,Jeremias Gottheit, Erzählungen und Bilder aus der Schweiz 1, S. 120. Irischardog, ordog pollex bedeutet den pflügenden Finger, weil der Daume denPflug fasst, und stammt aus den Ackerbauleben. Gesch. d. deutsch. SpracheS. 44. man zellet also, so sin sehzic wirt, so legt man den dümen in dielenken hant: so drückent in die andern vinger alle samt. Ziemann Wb.S. G79. *