Druckschrift 
3 (1883)
Seite
133
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ÜBER EINE INSCHRIFT AUF EINEM GOLDENEN RING. 133

Es ergeben sich mithin folgende WorteUTAN NOPI HAILA,etwas Gothisches ist hier nicht zu finden, vielmehr sind esganz entschieden altdeutsche Worte, ütan ist die altsächsischeund angelsächsische Form für das althochdeutsche üzan mitdem Dativ noJ)i. Die Form heila merkt Graff (Sprachschatz4, 863) neben der gewöhnlichen haili an. Glück, frei vonBedrängnis ist also die Inschrift zu übersetzen, die für einenGoldring, vielleicht ein werthvolles Geschenk, gewiss ein pas-sender Spruch war. Ahnliche Wünsche finden sich bei denDichtern des 13. Jahrhunderts, got füege iu heil und ereIwein 1901, gelücke iu heil gebe Parzival 450, 25, gotgebe dir heil Gottfrieds Tristan 63, 38.

Die Inschrift fällt in die älteste Zeit der deutschen Sprache,eine nähere Bestimmung gestatten die wenigen Worte nicht.Da ihre frühsten mit lateinischen Buchstaben geschriebenenDenkmäler in das 7. Jahrhundert gehören, so könnte man ge-neigt sein die Inschrift in das 6. zu setzen, zumal die benannteStelle bei Venantius Fortunatus den Gebrauch der Runen indieser Zeit ausser Zweifel stellt. Allein die Runen haben sichneben den lateinischen Buchstaben erhalten, wie die runischenAlphabete aus dem 9. Jahrhundert und das Zeugnis des Hra-banus beweisen. Wahrscheinlich ist die Inschrift des Goldringsin Mitteldeutschland, wo sich niederdeutsche Sprachformen mitoberdeutschen mischten, eingegraben worden, und von dort ister, wie der ganze grosse Schatz von goldenen Geräthen, zwischen 604welchen er gefunden ward, vielleicht als Beute, in die Wallacheigekommen.*)

Herr Haupt fügte noch einige Bemerkungen hinzu. Diebeiden Kreuze deuten nicht nothwendig auf die christliche Zeitund können blosse Zieraten sein. Althochdeutsch kann dieInschrift nicht sein wegen des T für Z und des p für T innöpi, was auch als Genitiv darf betrachtet werden. Das Alt-sächsische und Angelsächsische ergibt kein haila, da dieseMundarten den Diphthong ai oder ei in lange Vocale zusammen-

*) [Im Text steht: genommen.]