Druckschrift 
3 (1883)
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28 DIE ALTNORDISCHE LITTERATOR.

verbreitet, und sehr gut war, dass man besonders die Geist-lichen in beiden Reichen zur Theilnahme einlud. Wäre schonzu Zeiten des Olaus Worm in der Mitte des 17. Jahrhundertseine solche Vereinigung zu Stande gekommen, wie viele merk-würdige Alterthümer würden sich nicht zerstreut oder versteckthaben, wie viele würden erhalten und nicht unwiederbringlichverloren sein. Sobald sich eine gewisse Achtung und Scheudavor verliert, so wird bei rohen Menschen jene blinde undbarbarische Zerstörungslust von nichts mehr zurückgehalten;die sich besser dünken, verbrauchen sie zu gemeinen Zweckenund zerschlagen alte Bilder oder die Überbleibsel herrlicherArchitektur, um mit den Steinbrocken die Wege zu bauen.Die Annalen, welche der König auf seine Kosten erscheinenlässt, sind bestimmt, das Gesammelte gemeinnützig zu machen.Sie enthalten eingelaufene Berichte, welche die alterthümlichenGegenstände eines Sprengeis beschreiben, Aufzählung des bisherZusammengebrachten, vorzüglich aber Untersuchungen und Ab-handlungen; jedes Mal sind die nöthigen Kupfertafeln zugefügt.Man kann nicht sagen, dass die Grenzen eng abgesteckt wären,im Gegentheil, was nur auf das Alterthum Bezug hat, wird auf-genommen, selbst die spätere Zeit, z. B. Überbleibsel des katho-lischen Kultus, Rauchfässer, Weihkessel, Heiligenbilder, werdennoch berücksichtigt, während die Sagen in der Gegend vonAix in der Provence über die Cimbern und Teutonen, dieMarius 100 Jahr vor Christi Geburt besiegte, gleichfalls einenPlatz finden. Zu den schätzbarsten gehören die Beschreibungenund Erläuterungen einheimischer Monumente. Thorlaciuslieferte im ersten Bande die Beschreibung eines merkwürdigenSteinkreises im Christiansands-Stift aus dem 10. oder 11. Jahr-hundert, B. Thorlacius im zweiten Band die eines seltsamenunterirdischen Baues, bis jetzt völlig räthselhaft, so manchesder Art sich auch erhalten hat. Daselbst handelt Munter dasschon vielfach besprochene Kivike-Monument ab und imneuesten Heft die auf Bornholm befindlichen celtischen Rokke-steine, die im Westen so häufig, in Deutschland völlig unbe-kannt, dagegen im Norden (denn auch in Norwegen befindetsich einer, und der Sage nach verschiedene in Schweden) am