Druckschrift 
F. W. Schmidt's hinterlassene Forschungen über noch vorhandene Reste von den Militairstrassen, Befestigungen, Aquäducten etc. der Römer in den Rheinlanden
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

93

deutende Uferbauten vorgenommen werden, um den Rheinzu verhindern, die frühere Richtung- an Neuss vorbei zunehmen. Auf dem Oberfelde, nördlich der Erft (bei Grim-linghausen) werden viele römische Ueberreste gefunden, undwie in Neuss, Ziegel mit dem Stempel der 6., 16. und 17.Legion.

Neuss (Novesium), eine von Drusus gebaute grössereFestung der Römer am Rhein, der einst an den Mauern derStadt vorbeiströmte 101 ). Der Name des Stifters bat sich nochin dem Drususthore 102 ), oder Drusus-Kastelle (dem jetzigenOberthore) erbalten, dessen gegenwartiges Mauerwerk jedoch,nach der Ansicht des Verf., nicht römisch ist, sondern demMittelalter angehört, obgleich die Form dieses Thores Ä c >»häufig vorkommenden Reversen auf spätem römischen Mün-zen vollkommen entspricht. Ebenso scheinen die Mauerresteder alten Stadtbefestigung sämmtlich aus dem Mittelalterzu sein. Nach dem Itinerar des Antonin stand in Neusseine Ala. Auch von der 1., 16., und 20. Legion sind hierMonumente gefunden worden. In dem batavischen Kriegewird Novesium häufig genannt. Es wurde von Civilis ver-wüstet und durch Cerealis wieder hergestellt. Rei den Ein-fällen der Franken im 4. und 5. Jahrhundert ist es von die-sen mehrere Male erobert und zerstört worden.

Von Neuss abuärts haben sich an der westlichen Seiteder gegenwärtigen Chaussee über Rrühl und Strümp nochUeberreste der Römerstrasse erhalten. Zwischen Strümpund Lafum führte sie über ein altes Strombett 108 ) des Rheins,

101) Vgl. Jahrb. H. IL S. 45, H. V. und VI. S. 238 ff. und S. 407,H. VIII. S. 181 ff. H. XTII. S. 141, H. XXVI. S. 181 ff.

102) Vgl. H. XXVII. S. 25.

103) Bei hohem Wasserstande ergiesst sich der Rhein grossentheilsin einem alten Strombette oder Flussarme über Kloster Meer,Isselhof, Meerhof, zwischen Strümp und Latum durch, überLinn, Bockum, Meurs nach Stromeurs und trifft bei Rheinbergwieder mit der gegenwärtigen Richtung dc3 Flusses zusammen,