Vorrede.
Keine Provinz des römischen Reiches ist so vorherrschendund lange Gegenstand kriegerischer Bewegungen und mannig-facher Culturentfaltungen gewesen, als Unter-Germanien.Das erste Eindringen der römischen Adler in die waldge-schützten Wohnsitze der germanischen Völker geschah unterder Führung des grössten römischen Peldherm, der unsin den Tagebüchern seines kriegerischen Zuges die ersteKunde von Land, Volk und Sitte unserer Heimath aufbe-wahrt hat. Die Erhaltung des von Cäsar am Rheine er-worbenen Besitzes blieb für Rom eine dauernde Sorge.Römische Militairbauten und unter ihrem Schutze friedlicheColonien entsteigen ununterbrochen dem Boden und ver-schwinden in wachsender Wichtigkeit nicht mehr aus denAnnalen der Geschichte. Die Situation des linken Rhein-ufers als Ausgangspunkt der Kriege gegen GermaniensVölker begründete von vorn herein eine unverhältnissmässigeHöhe der Garnisonen, theils in festen Castellen, theils inwechselnden Feldlagern. Diese bis zu den mittleren Kaiserndauernden ungeheuren militairischcn Einrichtungen eineserobernden Vordringens verminderten sich nicht, als sie imVerfalle der römischen Macht einen verteidigenden Charakterannahmen. Mit Aufbietung aller Mittel erneute noch KaiserJulian im vierten Jahrhundert die bereits von den Frankenbedrohten oder schon verheerten Befestigungen. Aber diebesiegende Ueberlegenheit wohnte nur noch den Angreifern,nicht mehr den einst unüberwindlichen Vertheidigern bei. Romhatte seine Weltmission vollendet. Auf den Trümmern dereinzelnen römischen Vesten und Colonien entwickeln dievon den Keimen römischer Cultur erfüllten unter dem Ge-sammtnamen Franken jetzt auftretenden Eingeborenen ein