/"
60
römischen Bürger und Veteranen , welchen das jetzige Cölnseine eigentliche Gründung verdankt, brachten diese Lieb-haberei mit von Rom. Die Römer liebten das kalte undharte Quellwasser, dasjenige, welches in Kalkgebirgen ent-springt. Das Wasser, welches sich um Cöln findet, ist wei-ches Wasser, und nur erst in weiterer Ferne, in dem Kalk-gebirge, worin die Quellen der Urft liegen , besitzt dasWasser diejenigen Eigenschaften, welche von den Römerngeschätzt wurden.
Man könnte fragen, wie war es möglich, dass ein Ortwie Cöln ein so ungeheueres Werk ausführen konnte, des-sen Erbauung gegenwärtig die Kräfte eines grössern Staatserschöpfen würde? Hierauf ist zu erwiedern: Die Anlegungund Ausführung solcher Werke geschah nicht auf Staats-kosten und noch weniger auf Unkosten eines einzelnenOrtes, sondern durch die Hände der unterjochten Provinzia-len und durch viele Tausende von Soldaten, welche wäh-rend des Friedens beschäftigt werden mussten. Nur ausdiesem Gesichtspunkte lässt sich das Entstehen dieses undanderer römischen Bauwerke, bei welchen Anlegung undBestimmung in keinem Verhältniss zu stehen scheinen, er-klären.
Die Bauart dieses Kanals ist eben so schön und geschmack-voll, als sie einen hohen Grad von Dauer und Festigkeitbesitzt, wovon die lange Erhaltung den besten Beweisliefert. Seine Ausführung gehört ia die. blühendste Periodeder römischen Baukunst, und ist höchst wahrscheinlich nachder Erhebung von Cöln zu einer Kolonialstadt in die 50gerJahre nach Christus zu setzen. In dieser Zeit gab derKaiser Claudius die Eroberungen in Deutschland auf, undzog die Legionen auf das linke Rheinufer zurück, wodurcheine längere Waffenruhe am Rheine herbeigeführt wurde.Dass es römische Staatsmaxime war, die Legionssoldaten inFriedenszeiten unaufhörlich zu beschäftigen, um sie vor