Druckschrift 
Sammlung der gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften des Elementar-Schulwesens im Bezirk der königl. Regierung Düsseldorf, nebst e. histor. Einl. in die Verwaltung des öffentl. Unterrichts aus den Zeiten des Churfürsten Carl Theodor bis auf das Todesjahr König Friedrich Wilhelm III., 1794 - 1840
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56Kreise von Vorstellungen, Gemüthsbewegungen, Wünschen undFreuden, als der Erwachsene; nur dafür aber ist es empfänglichund kann nicht ohne Nachtheil auf einmal aus ihm herausge-zogen werden. Mit seinen Altersgenossen hingegen schreitet esnaturgemäß stufenweise vorwärts und findet zudem in der ge-meinschaftlichen Schule zu Entwickelungen Anlaß, den ihm dasälterliche Haus nicht darbieten kann. Dort sieht es sich unterVielen von verschiedenen Familien, von verschiedenen Neigungenund Anlagen, die sich sämmtlich nach Einer Ordnung verhal-ten und unter der nämlichen Zucht stehen. Dadurch lernt esden gleichen Werth der Menschen ungeachtet der äußern Ver-schiedenheit lebhaft erkennen; es erfährt, daß nur wirklichesVerdienst den Menschen einen Vorzug gibt; in ihm erwacht derTrieb löblicher Nacheiferung, und in seinem Herzen keimenWohlwollen und alle geselligen Tugenden früher, kräftiger undfrischer auf. Dieser und anderer Vortheile wegen ist die Schulefür jede Gemeinde ein Bedürfniß und, wo sie besteht, eine gro-ße Wohlthat, welcher die Aeltern ihre Kinder nicht entziehendürfen, sobald sie denselben die ersten Anfangsgründe der christ-lichen Bildung beigebracht haben.Haben nun die Aeltern ihre Kinder der Schule übergeben,so sind sie von dem Erziehungsgeschäfte noch nicht losgesagt:sie müssen ihr theils unterstützend in die Hände arbeiten, theilsund vorzüglich darauf Acht haben, daß die Zwecke wirklich er-reicht werden. Dem Lehrer zuvörderst gebührt von Seiten derAeltern Vertrauen und besondere Achtung als dem wohlthäti-gen Freunde der Kinder und als ihrem Stellvertreter in Er-füllung einer wichtigen Pflicht. Diese Gesinnungen müssen dieAeltern nicht nur in sich zu erhalten suchen, sondern auch be-dacht sein, sie auf die Kinder zu übertragen, indem sie bei die-sen wesentliche Bedingungen zum Gedeihen der Schulbildungsind. Sodann verdient die Schule der Aeltern aufrichtige undbereitwillig thätige Theilnahme an Allem, was sie bedarf undwas ihr begegnet; das ist zugleich eine Belohnung und Ermun-terung für Lehrer und Kinder; vor Allem aber müssen ihr dieAeltern stets eine besondere Aufmerksamkeit zuwenden, nichtbloß um sich zu überzeugen, ob die Erziehung gehörig betriebenwerde, sondern auch um die Kinder anzuhalten, daß sie erfüllen,was die Schule von ihnen verlangt. Lassen sich die Aelterndieses angelegen sein, so werden ihre Kinder nicht nur schnellereFortschritte machen, sondern sie selbst werden an Vertrauenund Liebe gegen die Schule gewinnen und manchen Unannehm-lichkeiten vorbeugen.Hieraus nun entnehmen Sie, christliche Lehrer! woraufSie Ihr Augenmerk zu richten haben. Ihr Streben muß daraufhingehen, das Vertrauen und die Liebe der Aeltern durch ge-