166das Gericht Gottes gewiesen, was keinen Sinn haben würde,wenn sie schon auf Erden ihre Rechtfertigung erlangt hätte!).Der Verfasser gehört zu denen, die einen gewaltigen Buß-kampf zu bestehn hatten. Seine schriftstellerische Arbeit isteine unvollendete geblieben. Sie sollte, wie es einem auf-merksamen Leser nicht entgehen wird, in drei Abschnitte zer-fallen, von denen der erste die sieben ersten und der zweitedie vierzehn folgenden Hauptstücke befassen sollten. Die The-mata der seligen Sterbstunde?) und der himmlischen Freude-bilden jedesmal einen passenden Abschluß. Der dritte Ab-schnitt sollte, wie die Anlage errathen läßt, über das han-deln, was in diesem Leben schon einen Vorgeschmack desHimmels gibt. Es sind aber hier in den drei betreffendenHauptstücken nur drei Gegenstände berührt, nämlich: dervertraute Umgang mit dem Heiland, die Andacht zu seinerjungfräulichen Mutter und das dankbare Andenken an dievon Gott empfangenen Wohlthaten. Diese drei Hauptstückehaben einen starken thomäischen Beigeschmack, woraus wirschließen, daß er das Ganze nicht nur abgeschrieben, sondernauch das Ende des Werks, wozu er den Entwurf vorfand,überarbeitet hat. Das „Soliloquium animae“ ist in demältesten Verzeichniß der Werke des Thomas a Kempis“) nichtvorfindlich. Hingegen wird ihm von dem ungenannten Ver-fasser seiner Lebensbeschreibung, die mit jenem Verzeichnissein der Nürnberger Ausgabe vom Jahre 1499 erschien, jenesWerk beigelegt.⁵) Doch wenn man die Sache näher unter-sucht, ergibt sich, daß von einem andern Werke des Tho-mas, als dem uns vorliegenden Soliloquium die Rede ist.Dem Biographen ist sein Soliloquium ein Zwiegespräch (Dia-logus, Biloquium) zwischen dem Heiland und der Seeleb),was auf unser Soliloquium keine Anwendung findet. Diesist vielmehr ein wahres Soliloquium, ein Monolog. Erstin dem siebenzehnten und dem achtzehnten Hauptstück gibtder Heiland Antwort und zwar wird diese von der Seele) Siehe oben IV. und VI. Seite 66.2) Cap. VII.3) Cap. XIV.4) Rosw. vind. Kemp. Seite 105.5) Ebendaſelbſt Seite 103.*) Nach Art des dritten Buchs de imit.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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